Bayer will Schering um 16,3 Milliarden übernehmen - 6000 Jobs gefährdet

24. März 2006, 14:39
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Chemie- und Pharma­konzern will Berliner Rivalen übernehmen - Schering-Vorstand begrüßt Angebot - Bayer-Chef sieht "Synergiepotenzial von 6.000 Menschen"

Berlin - Der Chemie- und Pharmariese Bayer rechnet durch die angestrebte Übernahme von Schering mit dem Wegfall von 6.000 Arbeitsplätzen weltweit. Wie viele Jobs in Deutschland betroffen sind, wollte Konzernchef Werner Wenning am Freitag nicht sagen. Damit fällt nach Wennings Angaben in dem neuen Konzern Bayer-Schering-Pharma jede zehnte der insgesamt 60.000 Stellen weltweit weg. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drang darauf, keine Arbeitsplätze im Inland zu streichen. Berlin als Standort des neuen Konzerns könnte von der Übernahme profitieren.

"Die (deutsche) Bundesregierung erwartet, dass bei einer möglichen Übernahme von Schering durch Bayer oder durch Merck keine Anpassungen zu Lasten deutscher Standorte erfolgen", sagte Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Ansonsten wolle er den Kampf um das Berliner Pharmaunternehmen nicht kommentieren.

"Fair und sozialverträglich"

Die 6.000 Arbeitsplätze sollen nach Wennings Angaben in den nächsten sechs Jahren gestrichen werden. Dies solle "fair und sozialverträglich" erfolgen. Ob betriebsbedingte Kündigungen damit ausgeschlossen sind, wollte er nicht sagen. Die Arbeitnehmervertreter von Bayer seien für die Transaktion, unterstrich der Bayer-Chef. Der Leverkusener Konzern rechnet wegen des Zusammenschlusses mit Einsparungen von insgesamt etwa 700 Millionen Euro jährlich ab dem dritten Jahr nach Abschluss des Geschäfts.

Für Berlin könnte sich unter dem Strich womöglich dennoch ein Plus an Stellen ergeben, da Teile der Bayer-Pharmasparte aus aller Welt in die Hauptstadt wandern sollen. In Berlin soll die Zentrale des neuen Konzerns sein. Auch Schering-Chef Hubertus Erlen sagte, das Übernahmeangebot biete "neue Chancen für Schering und für Berlin". Von der Bayer-Zentrale in Leverkusen oder aus der Forschung in Wuppertal sollen laut Wenning ebenfalls Teile nach Berlin gehen. Bayer ist in mehr als hundert Ländern weltweit tätig und beschäftigt knapp 95.000 Mitarbeiter. Zur künfigen Rolle von Schering-Chef Erlen wollte sich Wenning nicht äußern.

Feindliches Angebot von Merck

Bayer bietet den Aktionären 86 Euro in bar pro Anteilsschein und übertrumpft damit ein feindliches Angebot des Darmstädter Konkurrenten Merck, der 77 Euro pro Aktie bot. Der Schering-Vorstand stimmte dem Bayer-Angebot von insgesamt 16,3 Milliarden Euro bereits zu. Erlen sagte, nach interner Diskussion sei der Vorstand "zur Einsicht gelangt, dass es angesichts dieses Angebots wohl unmöglich ist, dass Schering seine Eigenständigkeit behalten kann".

Mit dem Zusammenschluss will Bayer einen Pharma-Konzern schaffen, der wieder in der internationalen Top-Liga mitspielen kann. Wenning zufolge stünde die Bayer-Schering-Pharma in bestimmten Bereichen wie Gynäkologie, Hämatologie, bei Kontrastmitteln und Medikamenten gegen Multiple Sklerose auf Platz sieben weltweit. Dies sei "die beste Lösung, um dem Pharmastandort Deutschland wieder Geltung zu verschaffen". Der Umsatz des neuen Konzerns soll mehr als neun Milliarden Euro betragen. Von den Kartellbehörden in Brüssel und den USA erwartet Bayer grünes Licht.

Die Übernahmepläne sorgten an der Börse für Begeisterung: Die Aktie von Schering schoss am Freitagmorgen um über vier Prozent nach oben und notierte gegen 12.30 Uhr mit 88,10 Euro um 3,68 Prozent im Plus. Bayer legte um knapp 1,1 Prozent auf 35,13 Euro zu. (APA/AFP)

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    Der Preis von 86 Euro liege um 29 Prozent über dem Schlusskurs vom 10. März. Das Bayer-Angebot entspricht einem Transaktionswert in Höhe von insgesamt 16,3 Milliarden Euro. Das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck hatte den Schering-Aktionären zuletzt 77 Euro je Anteilsschein geboten.

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