"Durcharbeiten bis zum Jänner 2007"

23. März 2006, 19:46
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In Rumänien sollen vor dem wahrscheinlichen EU-Beitritt im Jänner 2007 die Fassaden renoviert und das Image verbessert werden

100 Kilometer pro Stunde verwischen die Bilder. Die links und rechts ausweichenden Autos kommen dem Straßengraben gefährlich nahe, während die Lampe des Polizeiautos rot kreiselt und der Bus mit den Journalisten der Schneise folgt, die die Politia durch den transsilvanischen Verkehr schlägt. Das offizielle Rumänien will beeindrucken. Es ist nicht mehr lang bis zum 17. Mai, dem Tag an dem die EU-Kommission empfehlen wird, ob das Land 2007 oder erst 2008 der Union beitritt.

Das Land mit den hochgiebeligen Häusern, mit den tiefgrünen und himmelblauen Dacias, den Millionen Bauern mit ihren fürs Überleben zu kleinen Bauerngärten, dieses Rumänien mit dem Straßenkinder-Räuberbanden-Securitate-Ansehen. "Wir haben dieses Image, weil wir nicht in der Lage waren, das Land zu verkaufen", sagt Anca Boagiu, die Europaministerin. "Das ist unser Fehler." Die Mitte-rechts-Regierung - seit Herbst 2004 im Amt - ist mit ihrem marktorientierten Politikverständnis und der Selbstkritik ziemlich erfolgreich.

Wahrscheinlich wird am 1. Jänner 2007 nicht nur das Feuerwerk über Sibius rotgrauen Dächern leuchten, weil es europäische Kulturhauptstadt wird, wahrscheinlich wird dann der Präsident auch verkünden können, dass Rumänien nun dazugehört. Nummer 26 in der EU.

"Ich habe die Anweisung gegeben, dass nun durchgearbeitet wird", sagt Bürgermeister Klaus Johannis. Sibiu, das sind zur Zeit 32 Baustellen, Schlamm an den Schuhen und der Wille zum Durchhalten. Johannis gehört keiner Partei an, sondern dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, das eigentlich die 1,5 Prozent Minderheit der Sachsen vertritt. In Sibiu haben aber 88 Prozent das Forum gewählt.

Nicht konkurrenzfähig

Während ein Drittel des Stadtbudgets in die Restaurierung des historischen Zentrums fließt, ist die Wasserversorgung für gerade zwei Drittel der Menschen in dem Bezirk sichergestellt. "Uns ist auch bewusst, dass die Landwirtschaft nicht EU-konkurrenzfähig ist", resümiert der Kreisratsvorsitzende Martin Bottesch. Die Häuserfassaden leuchten zumindest: gelb, rotgelb und grün. Der Bürgermeister von Medias warnt: "Wir wollen keine Kosmetik. Wir wollen der EU beitreten, so wie wir sind. Irgendwann wird die Wahrheit sonst zutage treten", sagt Daniel Thellmann. Wieder wird ein Vertreter der deutschen Minderheit präsentiert. "Wir wollen Sie beeindrucken", erklärt die Dame von der Regierungsbehörde für Kommunikation.

In Deutschland und Österreich gibt es die größten Vorbehalte gegen den EU-Beitritt. Der Innenminister zeigt dafür Verständnis: "Das Bild der Kleinkriminellen und billigen Arbeitskräfte hat großen Einfluss", sagt Vasile Blaga. Doch die Angst sei unbegründet. In Siebenbürgen werden sogar Arbeiter gesucht und die illegale Auswanderung geht Richtung null. Die Antikorruptionsbehörde macht vor Politikern nicht mehr Halt.

Walter Friedl redet von der "relationship based economy" Rumäniens. "Schaut her, das sind die Pioniere", sagt der österreichische Handelsdelegierte und zeigt auf die Vertreter der österreichischen Unternehmen. Diese schwärmen dann von dem "bestflorierenden", "faszinierenden" und "lustigen" Markt. Man müsse das falsche Bild, das die Österreicher von Rumänien hätten, korrigieren.

Und das Bild der Rumänen vom EU-Beitritt? Ein Österreicher erzählt, seine Mitarbeiter würden sich danach eine Gehaltserhöhung von 50 Prozent erwarten. "Ich habe ihnen gesagt, dass das unrealistisch ist." Das Durchschnittseinkommen liegt bei 180 Euro. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.3.2006)

Adelheid Wölfl aus Sibiu
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