Herr Master und Frau Bachelor

5. Juli 2006, 15:26
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Hochschulpolitisches Forum über Bakkalaureat und Titelgeilheit

Wien - Bürokratische Verwirrung auf der Uni und all das für eine Abkürzung mehr auf der Visitenkarte: den Bachelor. Ob dieser zum europäischen Erfolg wird, diskutierten Experten am Mittwochabend beim "Hochschulpolitischen Forum" der Fakultät für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Uni Klagenfurt, Ö 1-Wissenschaft und dem STANDARD unter Moderation von Martin Haidinger (Ö1) im ORF-KulturCafé.

Die Grundidee von Bologna teilten alle Gäste - auch David Campbell vom IFF: "Die Bachelor- und Masterstudien sind vereinbar mit dem Beruf, und die Studierenden können disziplinäre Grenzen überspringen." Diesen Nutzen erkannte auch Michael Landertshammer, Abteilungsleiter für Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich. "Europa hat keine Chance, wenn es kein einheitliches System aufbaut", analysierte er. "Wir wollen, dass die Absolventen das finden, wofür die meisten studieren: Jobs." Philosophieprofessor Herbert Hrachovec von der Uni Wien pflichtete bei: "Davon, wie die Studienpläne sein sollen sind alle überzeugt: nämlich exzellent" - was dies heiße, sei unklar. Als Vorsitzender der Curricularkommission ist er mit der Umstellung auf das dreigliedrige System konfrontiert.

Dabei sei nicht der Titel, sondern die Qualität ausschlaggebend, betonte Gottfried Bacher von der Bologna-Kontaktstelle des Bildungsministeriums: "Wenn man mit dem Dipl. Ing. ins Ausland geht, versteht ihn keiner" - ein Konsens unter den Gästen. Zudem werde die Titelgeilheit minimiert, glaubt Landertshammer: "Denn wer wird schon sagen: Herr Master, Frau Bachelor?" (DER STANDARD-Printausgabe, 24.3.2006)

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