Katastrophale Einspielergebnisse

23. März 2006, 18:32
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Kulturstadtrat Mailath-Pokorny verteidigt Michael Schottenberg

Wien - Besucher des Volkstheaters berichten, dass sie einer Vorstellung von Weiningers Nacht mit nur 50 Zuschauern beiwohnten. Marianne Ziesel, die kaufmännische Leiterin, bestätigte dies gegenüber dem STANDARD: Die Produktion ist zu 35,4 Prozent ausgelastet; und gar nur 22,65 Prozent des Masettenwertes wurden eingenommen.

Eine besuchermäßig weit bessere Auslastung erreichte Spiegelgrund mit 75,9 Prozent. Allerdings liegt die finanzielle Auslastung bei 44,23 Prozent. Recht gut funktionieren lediglich Specials wie der Piaf-Abend mit einer Auslastung von 71,3 Prozent (Besucher) bzw. 49,4 Prozent (Masettenwert). Die finanzielle Auslastung der Spielstätte Hundsturm liegt bei 20,6 Prozent.

Andreas Mailath-Pokorny, der Wiener Kulturstadtrat (SP), sagt, er sei über diese Einspielergebnisse "nicht in Kenntnis gesetzt" worden. Er zweifle aber nicht an der künstlerischen Leitung: "Ich stehe selbstverständlich zu Michael Schottenberg." Es gehe nur um ein "bilanzmäßiges Minus" von 900.000 Euro. Er habe daher den Vorschlag unterbreitet, dass die Summe zu je einem Drittel von der Stadt Wien, dem Bund und dem Theater in drei Jahrestranchen aufgebracht werde.

Sein Gegenspieler, Kunststaatssekretär Franz Morak, weiß allerdings noch nichts davon: Er wird erst am Montag vom Vorstand der Stiftung offiziell in Kenntnis gesetzt.

Der Kulturstadtrat versteht zudem Schottenbergs Klage über die Unterdotierung des Volkstheaters. Schuld an der Finanzmisere sei die schwarz-blau/orange Bundesregierung: Sie würde sich seit der Wende 2000 nicht an die Grundsatzübereinkunft zur Finanzierung des Volkstheaters halten.

Im Jahr 1999 steuerten beide Körperschaften je 5,2 Millionen Euro bei. Der Bund fuhr sein Engagement auf 4,6 Millionen Euro herunter, während die Stadt ihren Anteil mit einigem Zähneknirschen auf 5,7 Millionen erhöhte.

"Wenn der Bund weiter den Betrag von 1999 gezahlt hätte, wäre Schottenbergs Weste hoch weiß", sagt Mailath. Es ginge ihm nicht darum, dass der Bund die Subventionen erhöhe: Er solle nur wieder die alten Beträge beisteuern. "Ich wäre schon damit zufrieden, wenn wir ein ähnliches Verhältnis hätten wie beim Theater in der Josefstadt: die Stadt zahlt 53 Prozent der Subventionen, der Bund 47 Prozent."

Im Kanzleramt will man sich die Schuld aber nicht in die Schuhe schieben lassen: Man hält Mailaths Vorschlag für skurril. "Im Gegensatz zur Josefstadt ist der Bund nicht im Stiftungsvorstand des Volkstheaters vertreten", sagt Katharina Stourzh, Moraks Sprecherin. "Wir haben daher weder einen Einblick in die wirtschaftliche Gestion noch die Möglichkeit zur Mitentscheidung. Dennoch zahlt der Bund 30 Prozent des Gesamtbudgets. Das ist kein schlechter Beitrag." (trenk, poh/ DER STANDARD, Printausgabe, 24.03.2006)

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