Kopf des Tages: Kriegsinvalidin kämpft um Sitz im US-Kongress

25. März 2006, 18:45
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Ladda "Tammy" Duckworth ist die prominenteste der "Fighting Democrats"

Ladda "Tammy" Duckworth ist die prominenteste von etwa einem Dutzend Irakkrieg-Veteranen – den so genannten "Fighting Democrats" – die im November um Sitze im US- Kongress kämpfen werden. Die hübsche 38-Jährige mit den randlosen Brillen und dem entwaffnenden Lächeln hat im Krieg beide Beine verloren und ist entweder im Rollstuhl oder auf Prothesen mit einem Stock unterwegs.

Am Dienstag ist es ihr in einer innerparteilichen Vorwahl gelungen, ihre Gegenkandidaten in ihrem Wahlbezirk bei Chicago mit knapper Mehrheit zu schlagen. Einem Interviewer erläuterte sie vor Kurzem, es sei ihr wohl bewusst, dass sie von den Demokraten ohne ihre schweren Verwundungen gar nicht erst aufgestellt worden wäre. Das stört sie aber nicht. Sie habe vor, ihre Kriegsinvalidität als Wahlkampfthema zu verwenden.

Es bleibt allerdings dahingestellt, ob es ihr gelingen wird, den Sitz des prominenten republikanischen Kongressabgeordneten Henry Hyde, der durch seine Führungsrolle im Impeachment-Prozess gegen Bill Clinton bekannt geworden ist und den Kongress nun nach 32 Jahren verlässt, in einem von Republikanern dominierten Wahlbezirk zu ergattern.

Aber das könnte, so glaubt man, Gegner des Irakkrieges beflügeln und sich auf andere Wahlbezirke auswirken. Duckworth, die die Invasion des Irak für einen Fehler hält, wird von einigen prominenten Demokraten, darunter Senator John Kerry, General Wesley Clark und dem Vietnam-Veteranen Max Cleland unterstützt.

Duckworth wurde 1968 in Bangkok geboren, wo ihr Vater für die UNO tätig war; ihre Mutter ist gebürtige Thailänderin. Im Alter von 16 Jahren übersiedelte Tammy mit ihrer Familie nach Hawaii, wo sie das Gymnasium und später die Universität besuchte. Ihren Universitätsabschluss in Internationalen Beziehungen erhielt sie von der angesehenen George Washington University in Washington, D.C.

Einer alten Familientradition folgend, trat sie in die Army ein, die sie zur Hubschrauberpilotin ausbildete (einer der wenigen Jobs, der es Frauen erlaubte, an Kriegseinsätzen teilzunehmen).

Am 12. November 2004 wurde sie beim Abschuss ihres Black-Hawk-Hubschraubers so schwer verletzt, dass beide Beine amputiert werden mussten. Zuvor war es ihr noch gelungen, den Hubschrauber zu landen, ehe sie das Bewusstsein verlor und Tage später in einem Militärspital aufwachte. Ihr Mann Bryan Bowlsbey, Kapitän der Nationalgarde, musste ihr die Hiobsbotschaft von der Beinamputation überbringen.

In ihrer Zivilkarriere war Duckworth in leitender Stellung im Rotary Club tätig. Ihren Humor hat die inzwischen zum Major Beförderte jedenfalls nicht verloren: "Es gibt auch Positives. Ich kriege keine kalten Füße mehr." (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 24.3.2006)

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