Innsbrucker Forscher kreierten zwei neue Eis-Typen

24. März 2006, 17:31
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Mit höherem Umgebungsdruck wird die Kristallstruktur des Eises kompakter

Wien - Wissenschafter, die mit reinem Wasser-Eis experimentierten, kennen mittlerweile wenigstens 14 Eis-Typen. Unterschiedlich ist jeweils die Anordnung der Wassermoleküle in den Kristallen. Die Typen XIII und XIV wurden erst kürzlich von Chemikern der Universität Innsbruck erstmals kreiert, wie die Wissenschaftszeitschrift "Science" in der neuen Ausgabe meldet.

"Auf der Erde kommt in der Natur lediglich Typ I vor", erklärte dazu Studienautor Christoph Salzmann, der derzeit einen Forschungsaufenthalt an der University of Oxford (Großbritannien) absolviert, im Gespräch mit der APA. Typ I ist demnach die uns geläufige Form mit der stets sechseckigen Grundform der Kristalle, aus der etwa jede Schneeflocke aufgebaut ist.

Flexibles Molekül

Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Eis ein vergleichsweise flexibles Molekül. Während der Sauerstoff fix in der Kristallstruktur verankert ist, ist die Wasserstoff-Position ungeordnet. Bei Erhöhung des Drucks und Verringerung der Temperatur können so neue Kristall-Strukturen entstehen.

Die Typen II bis XII konnten die Wissenschafter schon jetzt bei niedrigen Temperaturen und sehr hohen Drücken erzeugen. Je höher der Umgebungsdruck, desto kompakter wird die Kristallstruktur des Eises. Mit zunehmender Kompaktheit steigt aber auch die Trägheit der Moleküle, das ganze Gebilde wird immer fester und resistenter gegen Veränderungen.

Mischtrick

Die neuen Typen konnten sich im Labor nur durch einen Trick der Innsbrucker Chemiker formen: Sie mischten Salzsäure dazu. Die Säure befreit gleichsam die gefangenen Moleküle und erlaubt die Entstehung von neuen, noch dichteren Formen.

Während auf der Erde nur Eis-Typ I vorkommt, erwarten die Wissenschafter etwa auf fernen Planeten oder Monden unter extremen Temperatur- und Druckbedingungen durchaus auch andere Sorten. Beispielsweise auf dem Jupitermond Ganymed vermuten Astronomen eine 900 Kilometer dicke Eisschicht, hier könnte der Druck für andere Eissorten ausreichen. (APA)

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