Ungewöhnliches Doppelsternpaar entdeckt

23. März 2006, 18:10
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Es besteht aus einem ausgebrannten Weißen Zwerg und einem massearmen Stern

Tübingen - Ein internationales Forscherteam unter Tübinger Leitung hat ein ungewöhnliches Doppelsternpaar entdeckt. Es besteht aus einem sehr heißen so genannten Weißen Zwerg und einem kleinen, vergleichsweise kühlen Begleitstern. Beide umkreisen einander in nur sieben Stunden so eng, dass das gesamte System knapp in unserer Sonne Platz hätte, teilte die Universität Tübingen am Donnerstag mit.

Das System mit der Bezeichnung SDSSJ212531.92-010745.9 präsentieren die Tübinger Astronomen mit Kollegen aus Göttingen, Großbritannien und Chile im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics" (Bd. 448, S. L25). Der Weiße Zwerg ist ein ausgebrannter Stern, der etwa 60 Prozent der Masse unserer Sonne hat und rund 90.000 Grad Celsius heiß ist. Sein Begleiter, der 40 Prozent der Sonnenmasse besitzt, ist für einen Stern mit nur 3.000 Grad relativ kühl. Durch die intensive Strahlung des nahen Weißen Zwergs wird seine Oberfläche allerdings auf etwa 8.200 Grad aufgeheizt.

Sternklasse

Der Weiße Zwerg gehört zur Klasse der so genannten PG1159-Sterne. Das bedeutet, dass er zuvor ein roter Riesenstern gewesen ist. Wie das enge Doppelsternsystem entstehen konnte, ist noch rätselhaft. Zur Zeit der Rote-Riese-Phase hatte der jetzige PG1159-Stern einen Durchmesser von einigen hundert Sonnenradien. Sein Begleitstern lief damals womöglich fast innerhalb seiner Atmosphäre um, wurde dabei stark abgebremst und näherte sich so bis auf einen Abstand von knapp zwei Sonnenradien, der heutigen Entfernung, an. Wie diese Entwicklung aber im Detail ablief, und wie der Begleitstern dies überlebt haben kann, ist durch weitergehende Untersuchungen des Objektes noch zu erforschen.

Unter den PG1159-Sternen, von denen überhaupt nur 40 bekannt sind, ist es das erste bekannte derartige Doppelsternsystem. Die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre der PG1159-Sterne ist eher ungewöhnlich. Im Gegensatz zu den meisten Sternen ist diese nahezu frei von Wasserstoff und wird stattdessen von Helium, Kohlenstoff und Sauerstoff dominiert. (APA/dpa)

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