Boku: Diskussion um Teil-Absiedlung nach Tulln wieder aufgeflammt

23. März 2006, 19:45
22 Postings

Kritik der Belegschaft an Rektor Dürrstein - Betriebsrätin: "Völlig überhastet" - Grüne: Rektor agiere "wie ein kleiner Monarch"

Nach der Entscheidung um den Standort der Elite-Uni ist der Kampf der Länder Wien und Niederösterreich um Teile der Universität für Bodenkultur (Boku) wieder aufgeflammt. Im Zentrum der Kritik von Boku-Betriebsrätin Eva Tutschku und der Wissenschaftssprecherin der Wiener Grünen, Claudia Smolik, steht einmal mehr Boku-Rektor Hubert Dürrstein. "Der Rektor handelt völlig überhastet und ist für keine Argumente zugänglich", so Tutschku am Donnerstag gegenüber der APA.

Unklares Konzept

Unklar sei weiterhin das wissenschaftliche Konzept des geplanten Universitären Forschungszentrum Tulln (UFT), die tatsächliche Zahl der Betroffenen, sowie ein entsprechendes Lehr- und Mobilitätskonzept. Der von der Belegschaftsvertretung eingeforderte Diskussions- und Meinungsbildungsprozess innerhalb der Boku habe nicht stattgefunden, man werde die Sache nicht so einfach hinnehmen, so die Personalvertreterin.

Seitens des Wiener Wirtschafts- und Finanzstadtrats Sepp Rieder (S) habe es kürzlich wieder einen Vorstoß gegeben, wie der Standort Wien abgesichert werden könnte. Konkret hat Rieder laut Tutschku die Umwidmung eines Geländes in der Borkowskigasse in Wien-Döbling vorgeschlagen. In unmittelbarer Nähe zum Hauptstandort der Boku stehen dort seit Jahren Baracken, die von der Boku genutzt werden. "Die Möglichkeiten am Standort Wien sind noch lange nicht ausgeschöpft", ist die Betriebsrätin überzeugt. Dennoch werde unter Zeitdruck an der Umsetzung des UFT gearbeitet.

"Undemokratisch"

Smolik kritisierte in einer Aussendung am Donnerstag das "undemokratische Verhalten" Dürrsteins. Der Rektor agiere "wie ein kleiner Monarch", zuerst habe er Belegschaft und Studenten monatelang überhaupt nicht, dann aber falsch informiert. Smolik befürwortete einen Diskussions- und Meinungsbildungsprozess innerhalb der Boku und forderte Rektor und Uni-Rat auf, "endlich alles auf den Tisch zu legen".

Der Universitätsrat der Boku hat im November des Vorjahres die Weichen für eine Übersiedlung der im Kompetenzfeld "Nachwachsende Rohstoffe" zusammengefassten Boku-Bereiche nach Tulln gestellt. Dazu wurde mittlerweile auch ein Vertrag zwischen Boku und Land unterschrieben, der allerdings eine Ausstiegsklausel für die Universität enthält. Auf diese hoffen die Belegschaftsvertreter.

Übersiedlung

In Tulln existiert bereits das Interuniversitäre Department für Agrarbiotechnologie (IFA) der Boku mit rund 100 Mitarbeitern. Nun sollen das Department für Angewandte Pflanzenwissenschaften und Pflanzenbiotechnologie sowie die Vorziehprofessuren für Naturfaserwerkstoffe und für Holz-, Zellstoff- und Faserchemie nach Tulln übersiedeln. Eine Übersiedlung steht auf Grund des Neubaubedarfs frühestens 2009 an, insgesamt sollen am Standort Tulln 250 bis 300 Wissenschafter tätig sein. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Universitätsrat der Boku hat im November des Vorjahres die Weichen für eine Übersiedlung der im Kompetenzfeld "Nachwachsende Rohstoffe" zusammengefassten Boku-Bereiche nach Tulln gestellt.

Share if you care.