Emmy Werner will Anwälte einschalten

23. März 2006, 16:32
7 Postings

Ex-Direktorin: "Es war vielleicht Fehler, 'freu­ndschaftliche Übergabe' zu machen" - Mailath-Pokorny: Keine Schmutz­wäsche, bitte

Wien - Der Streit zwischen der ehemaligen und der aktuellen Direktion des Wiener Volkstheaters um einen bilanztechnischen Abgang von 918.000 Euro, den Michael Schottenberg zum Teil seiner Vorgängerin Emmy Werner anlastet, spitzt sich zu: In Medienberichten hat Werner am Donnerstag angekündigt, in dieser Causa Anwälte beizuziehen. "Ich habe keine andere Wahl", sagte sie gegenüber der "Presse". "Es gibt nur noch einen Weg, dies klarzustellen - über den Anwalt", so Werner gegenüber dem "Kurier".

"Nicht abgrenzbar, welche Zahlen zu welcher Bilanz gehören"

Die ehemalige Direktorin und ihr kaufmännischer Direktor Rainer Moritz "haben Entlastung von Eigentümer und Aufsichtsrat", betonte Werner am Donnerstag. "Es war vielleicht ein Fehler, eine 'freundschaftliche Übergabe' zu machen. Denn es war vereinbart, dass keine Zahlen an die Öffentlichkeit kommen sollen, weil es nicht abgrenzbar ist, welche Ausgaben zu welcher Bilanz gehören", betonte Werner. Sie habe Aktivitäten, die bereits in den Übergangszeitraum von Werner zu Schottenberg im Juli und August 2005 hineinfielen, "unserer Bilanz 'anhängen' lassen", so Werner im "Standard". Es war "unsere Absicht, dass Schottenberg ab September mit einer unbelasteten Bilanz arbeiten kann", sagte die ehemalige Direktorin.

"Keine Bank- oder Kontoschulden" bei Übergabe

Als Werner das Haus an Schottenberg übergeben hat, habe es "keine Bank- oder Kontoschulden" gegeben, sondern vielmehr ein Guthaben von 625.000 Euro, so Werner im "Kurier". Dieses sei jedoch durch Abfertigungszahlungen aufgezehrt worden, Schottenberg habe rund 20 künstlerische Mitarbeiter "ohne Not" entlassen, hieß es im "Standard". Weiters habe es einen betrieblichen Abgang von 105.000 Euro und eine offene Forderung an den Subventionsgeber in der Höhe von 138.000 Euro gegeben, schilderte Werner. Diese wären mit den 625.000 Euro Guthaben jedoch abdeckbar gewesen.

"Terminus Altlasten ist nicht richtig und ärgerlich"

Die von Schottenberg nun vorgewiesenen 918.000 Euro seien "virtuelle Bilanzschulden, die keine Auszahlungsnotwendigkeit zur Folge haben", betonte Werner im "Kurier". "Der Terminus Altlasten ist nicht richtig und ärgerlich", so Werner in der "Presse". Und im "Standard": "Es ist mir schleierhaft, wie eine mit der Auslastung rudernde Direktion solche Papiertiger produzieren kann".

Zur Frage der Auslastung des Theaters - nach Angaben Schottenbergs liegt diese "unter 60 Prozent" - meinte Werner: "Ich weiß, wie schwer es ist, wenn das Publikum wegbleibt. Die kommen lange nicht wieder."

Mailath-Pokorny: Bitte keine Schmutzwäsche waschen

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) appellierte im Ö1-Mittagsjournal an die Beteiligten, "keine Schmutzwäsche zu waschen". Man werde sich gemeinsam hinsetzen müssen und eine Lösung finden müssen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.