Ärzte, Bauern und Juristen gegen Gentechnik-Nahrung

23. März 2006, 19:55
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Kärntner Plattform kritisiert Sorglosigkeit im Umgang mit Lebensmitteln - Konzerne sollen bei Schäden haften

Klagenfurt - Eine Plattform aus Ärzten, Bauern und Juristen kritisiert die sich am Donnerstag in Klagenfurt der Öffentlichkeit präsentierte. Die Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen seien wissenschaftlich zu wenig erforscht. Um den Gentechnik-Landbau zu unterbinden, fordert die Plattform eine Ausweitung der Haftung für eventuelle Schäden auf die Produzenten von gentechnisch verändertem Saatgut.

Sorgfalt wie bei der Erprobung neuer Medikamente

"Wir verlangen bei Entwicklung gentechnisch veränderter Produkte die gleiche Sorgfalt wie bei der Erprobung neuer Medikamente", erklärte der Arzt Dieter Michael Schmidt, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer Kärnten. Die Sorglosigkeit, mit der veränderte Nahrungsmittel in Umlauf gesetzt würden, sei äußerst bedenklich. Neue Medikamente würden monatelangen Versuchsreihen unterzogen, bevor sie zum Verkauf freigegeben werden. "Auswirkungen von Gentechnik-Nahrung auf den Menschen werden hingegen kaum erforscht", so der Mediziner.

Entwicklung dient nur großen Konzernen

"Die momentane Entwicklung auf dem Nahrungsmittel-Sektor dient nur den großen Konzernen", sagte der Bio-Bauer Volker Helldorf. Vorläufig seien "Kärnten und Österreich jedoch gentechnisch noch nicht verseucht". Die Richtlinien der EU ließen es derzeit zu, dass jeder Bauer gentechnisch veränderte Saat ausbringen könne. "Durch Pollenflug ist dann eine Auskreuzung des gentechnisch veränderten Materials nicht mehr zu verhindern", so Helldorf. Einzige Abhilfe: "Ein strenges Verbot der Gentechnik im landwirtschaftlichen Bereich."

"Wenn sich gentechnisch verändertes Material auf den Acker eines Nachbarbauern ausbreitet, ist derzeit jener Landwirt haftbar, der die Saat ausgebracht hat", erklärte der Rechtsanwalt Peter Ouschan. Der Jurist erkannte zwar "die gute Absicht" des Gesetztgebers in Österreich an, "letztendlich muss bei Schäden jedoch der Saatguthersteller haftbar gemacht werden können", forderte Ouschan.

In Kärnten gilt seit 2005 das Gentechnik-Gesetz, wonach Landwirte, die genmanipuliertes Saatgut aufbringen wollen, dies anmelden müssen. Die Genehmigung erfolgt durch die Fachabteilung Agrarrecht der Kärntner Landesregierung. Diese Landwirte haben bestimmte Abstände zum Nachbarn einzuhalten, die sich nach dem jeweiligen Pollenflug der Pflanzen richten. (APA)

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