Animation und Gesellschaftskritik in den 70er-Jahren

23. März 2006, 13:41
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Diagonale bringt Werkschau von Maria Lassnig: Neun Kurzfilme laufen im Augartenkino in Graz

Graz - Eine Werkschau widmet die Diagonale der 1919 in Kärnten geborenen bildenden Künstlerin Maria Lassnig. Bereits seit Anfang Februar ist im Kunsthaus Graz die Doppel-Ausstellung "Zwei oder Drei oder Etwas" mit Werken von Lassnig und der Amerikanerin Liz Larner zu sehen. Lassnig hat sich in ihrem Werk der Erforschung des Wahrheitsgehalts menschlicher Gefühle und körperlicher Empfindungen verschrieben. Neun Kurzfilme sind nun im Augartenkino in Graz zu sehen.

Persönlich anwesend konnte die 87-jährige Künstlerin bei der Premiere ihrer Werkschau aus gesundheitlichen Gründen leider nicht sein. Dabei ist es "sixpackfilm" erstmals gelungen, all ihre filmischen Arbeiten in restauriertem Zustand gemeinsam zu zeigen. In chronologischer Reihenfolge sind die größtenteils in den 70er-Jahren entstandenen Kurzfilme zu sehen, allein das erste Werk "Encounters" (1970) wurde aus dem Programm genommen. "Maria Lassnig sieht diesen Film als Fingerübung, er reiht sich qualitativ nicht in die restlichen Arbeiten ein", hieß es von Seiten der Produktionsfirma.

"Baroque Statues" bis "Kantate"

Den Reigen eröffnete "Baroque Statues", der sich aus Ansichten von Kirchenstatuen und Tanzbewegungen in freier Natur zusammensetzt. Lassnig spürt dem Lebensgeist des Barock nach, haucht den Figuren durch die fortgeführte tänzerische Darbietung Leben ein. Es folgt der 1971 entstandene Animationsfilm "Chairs", in "Iris" arbeitet Lassnig mit dem weiblichen Körper und seinen Verzerrungen im Spiegel.

Mit Dunkelheit und Tod setzt sich die Künstlerin im ebenfalls 1971 gedrehten Selbstporträt auseinander. Hier arbeitet sie mit verschiedenen Gesichtern, die die (kindliche) Prägung im Inneren widerspiegeln. Ironisch geht sie mit dem Frau-Sein um, mit äußeren Einflüssen und Zwängen. Fortgeführt wird dieser Weg mit "Couples", einer sarkastischen Auseinandersetzung mit der Mann-Frau-Beziehung. Hier wird diese Problematik in plakativen englischen Dialogen (Lassnig verbrachte lange Zeit in den USA) am pointiertesten dargestellt.

Mit der Identität und dem Kampf gegen die Außenwelt spielt Lassnig in den Arbeiten "Palmistry" (1973) und "Art Education" (1976). Abgeschlossen wird der Filmzyklus mit dem 1992 entstandenen "Kantate", einer animierten Lebensrückschau, in der Lassnig in irrwitzigen Kostümen singend ihre Biografie kommentiert. (APA)

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Diagonale
Weitere Vorstellung am Sonntag, 26. März um 16.30 Uhr im Augartenkino kiz

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