Ambulante Angebote für Kinder: Grüne beklagen Versorgungsmängel

28. März 2006, 16:48
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Kaum Angebote außerhalb der Öffnungszeiten - SPÖ sieht Wien als Vorbild - Kasse verweist auf höchste Ärztedichte

Wien - Die Wiener Grünen haben am Donnerstag beklagt, dass die kindermedizinische Versorgung in der Bundeshauptstadt weiterhin mangelhaft sei. So gebe es kaum ambulante Angebote außerhalb der Öffnungszeiten der Kinderärzte. Statt aber für Verbesserungen zu Sorgen, würden Kritiker mundtot gemacht, so Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz in einer Pressekonferenz im Alten AKH.

Integriertes Versorgungskonzept fehlt

Die Grüne verwies auf eine Studie, die das Institut Genia Consult im Vorjahr im Auftrag der Stadt durchgeführt habe. Demnach würden Kinder viel zu oft mit banalen Erkrankungen in den Ambulanzen der Krankenhäuser landen. Auch die Mediziner des Ärztefunkdienstes verfügten über keine entsprechende Ausbildung. Außerdem fehle es an einem integrierten Versorgungskonzept für Wien, und die Ärzte seien ungleich über die Stadt verteilt.

Klagen kamen auch von Univ.-Prof. Herwig Frisch, derzeit noch Leiter der Arbeitsgruppe Endokrinologie (hormonelle Erkrankungen) an der Kinderklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Ende April gehe er in Pension, und sein Posten werde nicht nachbesetzt. Zusätzlich wolle man seinen Kollegen Univ.-Prof. Franz Waldhauser, der sich mit dem Buch "Weggelegt - Kinder ohne Medizin?" den Ärger der Spitalsverantwortlichen zugezogen hatte, auf die Innere Medizin versetzen. Eine entsprechende Versorgung der Kinder sei damit nicht mehr gewährleistet.

Irene Promussas von der Elterninitiative "Lobby4kids" bezeichnete dies als Skandal. Die Ambulanz werde ausgehungert, die dortige Wissenschaft abgewürgt. Pilz zeigte sich auch über die Reaktionen im Gesundheitsausschuss des Gemeinderats enttäuscht. "Man hat sich abgeputzt, ohne das Problem zu lösen", klagte sie. Die Stadt und damit Gesundheitsstadträtin Renate Brauner (S) sei aufgefordert, die Kritiker einzubinden und endlich für Reformen zu sorgen.

SPÖ sieht Wien als Vorbild

Die SPÖ hat am Donnerstag die Kritik der Grünen an der Kindermedizin in Wien zurückgewiesen. "Die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche in Wien setzt österreichweit Standards", erklärte Marianne Klicka, SPÖ-Gemeinderätin und Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Rathaus, in einer Aussendung. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) wende dafür jährlich 176 Mio. Euro auf.

Die von den Grünen zitierte Studie von Genia Consult sei von der Stadt Wien selbst in Auftrag gegeben worden. Die drei Kernempfehlungen im Abschlussbericht - Integrierte Versorgung zur Verbesserung der ambulanten Notfallversorgung, Schwerpunktbildung und konkrete Standortempfehlungen - befänden sich bereits in der Umsetzung, so Klicka.

Kasse verweist auf höchste Ärztedichte in Wien

Auch die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) lässt die Kritik der Grünen an der kinderärztlichen Versorgung in der Bundeshauptstadt nicht auf sich sitzen. In Wien gebe es mit 3,79 Kassen-Kinderärzten pro 10.000 Kindern bundesweit die bei weitem höchste Dichte, wurde seitens der Kasse am Donnerstag in einer Pressemitteilung betont. Der Österreich-Schnitt liegt demnach bei nur 2,15. (APA)

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