Erster Schwarzstorch im Thayatal gesichtet

29. März 2006, 14:47
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Nistplätze versteckt in Waldgebieten - traditioneller "Frühjahrsputz" der Störchennester in Rust

Hardegg/Rust - Später als üblich ist in diesem Jahr nunmehr der erste Schwarzstorch im Nationalpark Thayatal gesichtet worden. Kein Wunder nach dem besonders langen Winter, meint Nationalparkdirektor Robert Brunner zur Landung des "Wappenvogels".

Pünktlich zu Frühlingsbeginn sind die Schwarzstörche ins Thayatal zurückgekehrt. Später allerdings, als in anderen Jahren zuvor, was auch daran liegt, dass erst in den vergangenen Tagen die Schneedecke merklich dünner geworden ist. "Die Schwarzstörche überwintern in Ostafrika und beginnen jetzt ihre Horste im Thayatal wieder herzurichten", erläutert die Nationalpark-Biologin Claudia Wurth.

Beobachtung

Im Gegensatz zum viel bekannteren Weißstorch nistet der scheuere Schwarzstorch nicht auf Kaminen von Häusern, sondern gut versteckt in Waldgebieten. Beobachten kann man ihn im Thayatal häufig in den Morgenstunden, wenn er zur Futtersuche ausfliegt. Im April beginnt die Brutzeit der Schwarzstörche. Die Jungen schlüpfen etwa Anfang Juni. (Schluss) we/af

Vorbereitungen

Indessen herrscht dieser Tage über den Dächern von Rust emsiges Treiben: Mitglieder des Storchenvereins sind mit dem traditionellen "Frühjahrsputz" der Störchennester beschäftigt, um sie rechtzeitig vor der Ankunft von Meister Adebar zu reinigen und auszubessern. Der erste Storch - im Vorjahr landete er am 23. März, heuer hatte im Burgenland Güssing die Nase vorn - wird in der Freistadt am Neusiedler See nun praktisch täglich erwartet.

Am Mittwoch war bereits um 7.00 Uhr früh ein Kranwagen zur Stelle, ohne den die Nester in luftiger Höhe nur schwer zu erreichen wären. Insgesamt 24 Storchen-Behausungen in Rust galt es zu reinigen, dazu kamen sechs in Mörbisch und eine in St. Margarethen, schildert Gerhard Amon, der Obmann des Storchenvereins.

>>> Der Wintergast und mehr Informationen zum Storchennest

Wintergast

Beim Arbeiten an den Nestern wurden die Männer aus der Nachbarschaft von einem gefiederten "Dauergast" beobachtet, der in Rust überwintert hat: "Fünf Störche sind heuer da geblieben. Die sind von uns durchgefüttert worden mit Fischen und Putenfleisch", erzählt Amon. In einem der Nester befinde sich auch schon ein Ei. "Der hat Ende April Junge", meint Erich Malzl, der mit der Arbeitsbühne des Kranfahrzeuges über die Dächer zu den Rauchfängen gehievt wurde, auf denen sich die Quartiere der gefiederten Gäste befinden.

Aus den Nestern werden Schmutz, überschüssiges Gras und allerlei Gegenstände entfernt: Nicht selten werden Strumpfhosen, Plastik, Lederstücke oder Bänder gefunden, die für die Jungstörche gefährlich werden können. Danach werden sie mit einem Desinfektionsmittel besprüht. "Seit wir das machen, gibt es kein Ungeziefer mehr in den Nestern. Seither kommen alle Jungstörche durch", so Amon.

Befestigung

Meister Adebars Behausungen werden auch auf ihre Standhaftigkeit kontrolliert und, wenn nötig, erneut befestigt. Auch zwei neue Nester stellte der Storchenverein am Mittwoch in Rust auf. Sie wiegen leer an die 50 Kilogramm. Einmal bewohnt, können es bis zu 100 Kilo, bei großen bis zu 300 Kilogramm werden, schildert Erich Karassowitsch, der vor mehr als zwei Jahrzehnten mit Nesterreinigungen begann. Im März warte immer bereits die ganze Gemeinde auf die ersten Störche: "Wenn einer da ist, weiß das in einer Stunde ganz Rust."

Die Basis für eine solche Storchenbehausung bildet ein Metallring von rund einem Meter Durchmesser, auf dem das etwa 1,20 Meter breite Nest aufgesetzt wird. Dazu wird aus Weinreben ein Kranz geflochten - bevorzugt aus jenen der Sorte Riesling, weil sie am längsten und außerdem biegsam sind und sich länger halten als andere, heißt es.

Brut

Zur Brut benützen die Tiere nur ein kleines Lager von etwa 30 Zentimeter Durchmesser. Der übrige Platz wird benötigt, wenn die Jungstörche das Nest bevölkern, bevor sie es verlassen. Die Ruster haben deshalb auch an "Ausweichnester" gedacht, die zu Beginn der Storchensaison leer stehen, um vielleicht erst später Bewohner zu finden.

2005 wurden in Rust sieben Paare und an die 16 Jungstörche gezählt. In den Jahren davor waren es hingegen um die 15 Paare, so Amon. Am stärksten war Meister Adebar zuletzt in den sechziger Jahren mit bis zu 30 Paaren in Rust vertreten. Damals lockten auch noch mehr Wiesenflächen und Futterplätze als heute.

Verein

Der Storchenverein wurde 1995 ins Leben gerufen und hat rund 300 unterstützende Mitglieder. Als Futtergründe für die Störche wurden bisher zwölf Hektar Wiesenflächen gepachtet, die im Sommer von einer Rinderherde beweidet werden.

Außerdem werden Informationsschauen und Vogelbeobachtungstouren veranstaltet, erzählt Amon. Der Verein betreibt auch eine Storchenpflegestation, in der kranke und verletzte Tiere gepflegt werden, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. (APA)

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    Archivbild eines Schwarzstorches - nun wurde der Erste im Thayatal gesichtet.

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    Frühjahrsputz in Rust

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