Konkurrenz spitzt auf Bank

27. März 2006, 08:44
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Einen Tag vor den Aufsichtsratsberatungen sind abermals ein paar neue Details aufgetaucht - Konkurrenz bringt sich in Stellung

Wien - Einen Tag vor den wohl richtungsentscheidenden Aufsichtsratsberatungen sind in der Karibik-Affäre der Gewerkschaftsbank BAWAG abermals ein paar neue Details der umstrittenen Finanztransaktionen in Steueroasen aufgetaucht. Gewerkschaftsintern beschäftigt die Frage, was ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch von den Karibik-Verlusten und Briefkastenfirmen wusste. Unterdessen bringen sich weitere Kaufinteressenten für die BAWAG in Stellung - für den Fall dass der ÖGB Bank-Anteile versilbern muss. Nach Volksbankern bringen sich jetzt die Sparkassen ins Gespräch. Auch die Wiener Städtische und die Generali Versicherung waren schon als mögliche Partner für die BAWAG kolportiert worden.

Die im Eigentum des Gewerkschaftsbundes befindliche BAWAG arrangierte zwischen 1995 und 2000 großvolumige Finanzierungen mit Wolfgang Flöttl, berichtet das "Format". Die erstmals im April 1994 aufgedeckten "Karibik"-Geschäfte zwischen dem damaligen BAWAG-General Walter Flöttl und seinem Sohn Wolfgang liefen noch viele Jahre weiter. Das Magazin zitiert aus einem Aufsichtsratsprotokoll der Bank von September 1998: "Die mit Dr. Flöttl abgewickelten Sondergeschäfte weisen ein Volumen von 550 Mio. Dollar auf, daraus haben wir seit 1995 bis dato einen Ertrag von insgesamt 554 Mio. Schilling lukriert."

Fehlinvestitionen

Die Investments von Wolfgang Flöttl verursachten laut namentlich nicht genannten BAWAG-Insidern Verluste von mehr als 600 Mio. Euro. Durch zusätzliche Fehlinvestitionen in spekulative Hedgefonds und riskante "PIPE"-Finanzierungen soll das Minus wie berichtet auf über eine Milliarde Euro angewachsen sein. Die Verluste sollen diskret über Briefkastenfirmen auf den British Virgin Islands verstaut worden sein und über die Jahre komplett abgeschrieben sein.

Um die gigantischen Verluste auszugleichen, habe sich der damalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner für waghalsige Manöver entschieden: BAWAG-intern wurde ein Boom an Briefkastenfirmen in Irland, Liechtenstein, den British Virgin Islands und den Kanalinseln registriert. So entstand damals etwa die mit reichlich Spielkapital ausgestatteten AI-Alternative Investments Ltd., Jersey: Der BAWAG-Hedgefonds AI verfügte laut "Format" konkret über eine Finanzierungslinie von 422 Mio. Euro.

ÖGB-Finanzchef und BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger wurde laut "Format" vom BAWAG-Vorstand über die Karibikgeschäfte in Kenntnis gesetzt. Auch ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch müsste über die brisanten Details informiert gewesen sein, so das Magazin: Ex-ÖGB-Vizepräsident Hans Sallmutter wird in dem Magazin zitiert: "Jeder Eigentümervertreter muss über sein Eigentum Bescheid wissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fritz Verzetnitsch von den Verlusten und den Briefkastenfirmen nichts wusste. Das gibts nicht."

Strategische Partner

Sollte der ÖGB so unter Druck geraten, dass er für die BAWAG einen strategischen Partner braucht, stehen Kaufinteressenten bereit. Die Österreichische Sparkassengruppe, mit der Erste Bank an der Spitze, habe Interesse, BAWAG-Anteile zu übernehmen, wenn der ÖGB solche abstößt. Dies ließ der Präsident des Sparkassenverbandes, Alois Hochegger, gegenüber der "Kleinen Zeitung" (Donnerstagausgabe) durchblicken, hieß es. Auf die Frage, ob für die Sparkassen-Gruppe eine strategische Partnerschaft an der BAWAG interessant wäre, wenn der ÖGB finanziell unter Druck geraten sollte, sagte Hochegger laut dem Zeitungsbericht: "Die BAWAG ist ein Thema. Das ist eine ganz klare Aussage von uns." Das offizielle Dementi der Erste Bank, Lead-Bank der östererreichischen Sparkassengruppe, folgte auf den Fuß: Die Erste Bank sei "nicht an BAWAG-Anteilen interessiert", erklärte die börsenotierte Wiener Großsparkasse Donnerstagmittag in einer Pressemitteilung.

Zwischen der Erste Bank und dem ÖGB seien keine Gespräche über die Übernahme von BAWAG-Anteilen geführt worden "und es sind auch solche in der Zukunft nicht geplant".

Die in der "Kleinen Zeitung" und "Neue Vorarlberger Nachrichten" getätigten Aussagen über derartige Übernahmeinteressen "waren nicht mit der Erste Bank abgestimmt", heißt es im Erste-Bank-Kommunique, das ausdrücklich die Überschrift "Dementi" trägt. (APA)

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