Chef Kleinfeld drückt Siemens seinen Stempel auf

30. März 2006, 10:16
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Nach Verkauf der Handy-Sparte nun Umbau des Vorstands

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld drückt Deutschlands größtem Elektrokonzern gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt immer stärker den Stempel auf. Nach dem Verkauf der Handysparte und weiteren harten Sanierungsmaßnahmen wird nun auch der neue Vorstand ganz nach den Vorstellungen des 48-jährigen Vorstandsvorsitzenden verjüngt und internationaler ausgerichtet. Im Zuge der Personalrochaden tritt auch Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger zurück, der sich vor der Berufung Kleinfelds ebenfalls Hoffnungen auf den Chefsessel gemacht hatte.

Auszeit

In einer internen Email erklärte Neubürger, er wolle sich erst einmal eine Auszeit nehmen und sich beruflich neu orientieren. Der 53-jährige dürfte keine Probleme haben, einen neuen Job zu finden. Nach zehn Jahren bei JP Morgan war er 1989 zu Siemens gekommen. Gemeinsam mit Heinrich von Pierer, heute Aufsichtsratsvorsitzender, modernisierte er den verschlafenen Industriegiganten Siemens und fädelte unter anderem die Abspaltung der Halbleitersparte ein. Seine Rücktrittsankündigung kam zum jetzigen Zeitpunkt zwar überraschend, weil es zuvor keine Spekulationen gegeben hatte. Völlig unerwartet kam der Schritt aber nicht. "Es ist klar, dass jemand wie Neubürger nicht unbedingt ein Leben lang Finanzvorstand bleiben will", sagte ein Branchenexperte.

Kaeser gilt als enger Vertrauter Klaus Kleinfelds

Die Nachfolge Neubürgers tritt Strategiechef Joe Kaeser an, der einst gemeinsam mit Pierer die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche in den deutschen Telefon-Werken von Siemens ausgehandelt hatte. "Kaeser gilt als enger Vertrauter Klaus Kleinfelds und hatte sich unter anderem als ICM-Bereichsvorstand durch seine Härte in der Auseinandersetzung um die Standorte Bocholt und Kamp-Lintfort hervorgetan", erklärte die IG Metall am Mittwoch. Schon die Ernennung Kaesers zum Strategiechef sei wohl eine Belohnung für seine harte Verhandlungsführung im Streit um Kostensenkungen in den Telefonwerken gewesen.

"Ein Richtungswechsel der rigorosen strategischen Ausrichtung an den Erwartungen des Finanzmarkts, wie er der Arbeitnehmerseite willkommen und den Analysten umso unliebsamer sein würde, ist wohl kaum zu erwarten." Kaeser selbst hatte einmal - bei der Eintragung ins goldene Buch der Stadt Bocholt - als Devise für die Konzernbereiche ausgegeben: "Man muss selbst dafür sorgen, dass der Erfolg kommt und bleibt."

Erfahrung

Als Manager in der Kommunikationssparte hatte Kaeser, was Kleinfeld ein besonderes Anliegen ist, auch viel internationale Erfahrung gesammelt. Als Konsequenz benannte sich der Niederbayer, der eigentlich Josef Käser heißt, in Joe Kaeser um. Seiner Heimat ist er aber verbunden geblieben: 2005 lud er eine Gruppe von Schülern seines Heimatorts im bayerischen Wald zur Siemens-Hauptversammlung ein.

Auch die übrigen Personalentscheidungen tragen klar die Handschrift Kleinfelds. Neuer Chef der kriselnden Kommunikationssparte Com wird kein Deutscher, sondern der Spanier Eduardo Montes Pérez. Der 54-jährige hat viel Erfahrung in der Telekommunikationsbranche, als Leiter der Siemens-Gruppe in Spanien wurde er im vergangenen Jahr als erster Chef einer ausländischen Firma zum "CEO of the year" (Vorstandschef des Jahres) in Spanien gewählt. Bei Com wartet keine leichte Aufgabe auf ihn. Die IG Metall sieht die Berufung durchaus wohlwollend: "Die Berufung eines bewährten Managers an die Com-Spitze kann als Indiz dafür gelten, dass es Siemens mit der Sanierung des Bereichs ernst ist."

Die Reihe von Personalentscheidungen wird bei Siemens auch als Beleg dafür gesehen, dass Kleinfeld und sein Vorgänger und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer an einem Strang ziehen. In den vergangenen Monaten hatte es Spekulationen über Konflikte zwischen den beiden gegeben, die aber beide entschieden zurückgewiesen haben. (APA/dpa)

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