Historikerbeirat für Zeitgeschichtemuseum

24. März 2006, 13:24
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Androsch unzufrieden: "Feigenblattunfug"

Wien - Nachdem es zuletzt auffallend still rund um die Pläne für ein "Haus der Geschichte der Republik Österreich" geworden war, ging die ÖVP am Mittwoch in die Offensive und präsentierte einen fünfköpfigen wissenschaftlichen Historikerbeirat. Er soll bis Ende Mai eine "Roadmap" für das neue Zeitgeschichtemuseum präsentieren - und dieses wohl auch gegen Angriffe immunisieren.

Denn sowohl der Koalitionspartner BZÖ wie die Opposition hatten das von Kanzler Wolfgang Schüssel höchstpersönlich unterstützte und von den schwarzen Ministern Elisabeth Gehrer (Bildung) und Günther Platter (Verteidigung) administrierte Projekt in seltener Einhelligkeit als "parteipolitisch" kritisiert.

Das BZÖ vermutet obendrein, dass Schüssel nur den Grazer Historiker Stefan Karner zum Leiter des neuen Museums machen will. Die beiden sind gut befreundet.

Karner, der die Jubiläumsschau auf der Schallaburg in Niederösterreich leitete, hatte bereits Anfang März für Irritationen unter der Zeitgeschichtler-Kollegenschaft gesorgt, als er auf eigene Faust versuchte, Mitglieder für den nun gegründeten Beirat zu finden (DER STANDARD berichtete).

Karner selbst hat den Vorsitz des Gremiums nun nicht übernommen, sondern diese Aufgabe Günter Düriegl überlassen. Er war bis 2002 Direktor der Museen der Stadt Wien, organisierte die Jubiläumsjahrausstellung im Belvedere und wurde von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) seitdem immer wieder mit Sonderaufgaben betraut.

Feiner Proporz

Mit Düriegl und Karner sitzen also die Macher jener beiden Gedankenjahrausstellungen im Komitee, die auch die Basis für das Zeitgeschichtemuseum bilden sollen. Einer Rot, der andere Schwarz.

Die weiteren Mitglieder sind der frühere ORF-Hörfunk-Intendant Manfred Jochum, der Wiener Wirtschaftshistoriker Herbert Matis und Mario Ortner, der Leiter des Heeresgeschichtlichen Museums.

"Dieser Beirat ist ein Feigenblattunfug", ärgert sich Hannes Androsch, Mitinitiator der Belvedere-Ausstellung, im STANDARD-Gespräch. "Der Herr Düriegl sitzt zwar drinnen, aber eigentlich soll es doch Herr Karner machen. Das ganze ist eine reine ÖVP-Angelegenheit. Es als Regierungsprojekt zu machen, ist ein Missverständnis." Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) entgegnet: "Das ist kein Projekt, das in der aktuellen politischen Diskussion als Keule verwendet werden sollte."

Düriegl (65) hat bereits angekündigt, als Museumsdirektor nicht zur Verfügung zu stehen. "Ich muss auf mein Geburtsdatum schauen." (Barbara Tóth/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 3. 2006)

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