Volksschulen als Dauerbaustelle

24. März 2006, 17:37
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Springverbot wegen bröckelnder Wände – VP präsentiert Baumängel-Liste

Wien – Fast wie ein Arkadengang zieht sich ein hölzernes Baugerüst entlang der Volksschule Kleistgasse in Wien- Landstraße, an vielen Stellen besteht die Wand nur noch aus nacktem Ziegel. Immer wieder seien Deckenelemente herunter- oder "riesige" Fenster herausgefallen, berichtet Werner Millonig, der Obmann des Elternvereins. Sein Sohn habe deshalb in einem Semester dreimal das Klassenzimmer wechseln müssen.

Springverbot

Das "Highlight" sei ein Erlass des Stadtschulrates gewesen, dass die Kinder aufgrund der bröckeligen Bausubstanz nicht mehr tanzen oder springen dürften. "Es wird immer nur dort renoviert, wo es unbedingt nötig ist. Es fehlt ein generelles Sanierungskonzept," kritisiert Millonig. Auch wenn sich die Schulleitung sehr bemühe, gebe es auf politischer Ebene Unklarheit, ob die VS Kleistgasse generalsaniert oder überhaupt an einen anderen Standort abgesiedelt werden soll.

Nach dem Deckeneinsturz in einer Schule in Wien-Leopoldstadt Mitte Februar hatte die Opposition immer wieder auf die Baufälligkeit vieler Schulen hingewiesen. Der Magistrat war und ist jedoch nicht bereit, seine Liste mit 46 sanierungsbedürftigen Schulen zu veröffentlichen – wor 3. Spalte aufhin die Grünen eine eigene Baumängel-Liste mit 20 Schulen präsentierten.

Notprogramm "für Sofortmaßnahmen gefordert

Auf die Suche hat sich auch die ÖVP gemacht: Anhand der Mittel, die in den jeweiligen Bezirksbudgets für Schulsanierungen veranschlagt sind, kam man auf 51 Pflichtschulen in 17 Bezirken. "Seit 2002 wurden die städtischen Aufwendungen für Schulsanierungen nahezu halbiert," sieht die nicht amtsführende Stadträtin Katharina Cortolezis- Schlager (VP) ein "jahrelanges Versäumnis". Sie fordert ein Notprogramm "für Sofortmaßnahmen" von der Stadt Wien. Allein in diesem Jahr müssten 150 Millionen Euro zu den Bezirken, die für die Schulsanierung zuständig sind, umgeschichtet werden.

Panikmache

"Es ist unnötige Panikmache, von Schulen zu sprechen, die zusammenzufallen drohen," betont man im Büro von SP-Bildungsstadträtin Grete Laska. Schulen in Altbauten würden ohnehin regelmäßig überprüft, die Bezirksvorstehung entscheide dann über die Sanierungsmaßnahmen. Weil die Bezirke aber zu wenig Geld haben, muss immer wieder zugeschossen werden. Bis zum Sommer soll entschieden werden, ob und wie viel die Stadt für Schulsanierungen und -neubauten zur Verfügung stellt. Im Gespräch sind 600 bis 700 Millionen Euro, für die nächsten zehn Jahre. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe 23.3.2006)

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