Diana Wynne Jones: "Zauberstreit in Caprona"

22. März 2006, 16:25
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Die Altmeisterin der fantastischen Kinderromane behauptete sich schon in den 80er-Jahren, damals gegen den Trend

Das Böse kann man nur gemeinsam besiegen! Zwei Kinder versöhnen die Zauberer von Caprona. Zwei Zaubererfamilien, seit 200 Jahren zerstritten, können ihre Stadt Caprona nicht mehr schützen. Es scheint, als nütze eine andere Zauberkraft ihren Zwist aus, um selbst an die Macht zu kommen. Zwei ihrer Kinder (Angelica, der alle Zaubersprüche misslingen, und Tonino, der sich keine merken kann) werden entführt, in der Absicht, die beiden Familien aufeinander zu hetzen und endgültig zu vernichten. Aber diese Kinder sind nicht so hilflos wie angenommen, sie durchschauen gemeinsam die Vorurteile, die sie getrennt haben. Der alte Zauber von Diana Wynne Jones' Geschichten in neuem Gewand: Heute, wo die Zauberei die Kinderbücher beherrscht, erscheint die vollständige Fassung von "Zauberstreit in Caprona". Die Altmeisterin der fantastischen Kinderromane behauptete sich schon in den 80er-Jahren, damals gegen den Trend.

Die besondere Kunst der Autorin besteht darin, die märchenhaften Zustände in Caprona leichtfüßig und mit viel Humor als Spiegel menschlicher Schwächen zu benutzen. Die jeweilige Zaubererfamilie verteufelt die Mitglieder der anderen nach allen Regeln der Kriegskunst und des Rassismus. Die anderen werden zu Untermenschen erklärt.

Alle glauben, sie gingen nicht zur Kirche, wären schmutzig, äßen eklige Sachen und wären Kannibalen. Von Generation zu Generation wird das weitergegeben. Als die Kinder (und ein Liebespaar) sich kennen lernen, stellen sich sämtliche Vorurteile als dummes Zeug heraus. Bis es so weit ist, muss natürlich noch die böse Macht, die die Stadt bedroht und in den Krieg stürzt, enttarnt, entführte Kinder errettet und unglückliche Herzöge erlöst werden. Das Böse tritt in Gestalt der Herzogin auf, die ihren Gatten zum Volltrottel gemacht und geschickt eingefädelt hat, dass Caprona von einer Übermacht angegriffen wird. Sie ist "der weiße Teufel", das Böse, das vor Jahrhunderten aus Caprona mithilfe des Engels, der noch heute die Kathedrale krönt, vertrieben wurde.

Die beiden Zaubererfamilien waren damals befreundet und hatten sich verpflichtet, den Frieden in Caprona zu wahren. Ihr jahrhundertelanger Streit hat das Friedensbündnis mit dem Engel so geschwächt, dass "der weiße Teufel" wieder an Macht gewinnen konnte. Nur die Versöhnung der Familien kann den Frieden wiederherstellen. Und so kommt es auch. In Gestalt einer riesigen Ratte wird der weiße Teufel aus der Stadt gejagt, der Krieg wird beendet, und die Familien und die gesamte Bevölkerung feiern ein großes Fest. Ein zauberhafter Klassiker der englischen Kinderliteratur! (DER STANDARD, Printausgabe, 23.03.2006)

Von Gabriela Wenke
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    foto: süddeutsche junge bibliothek
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