Kleine Revolution auf WTA-Tour

31. März 2006, 10:12
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Mit Unterstützung aus Hollywood soll eine neue unterhaltsamere Ära eingeläutet werden - Interviews mit Coaches während Matches

London/Miami - Im Damen-Tennis kommt es zumindest einmal beim dieswöchigen Turnier in Miami zu einer kleinen "Revolution": Mit dem erstmaligen Einsatz von Fernseh-Zeitlupen bei strittigen Bällen, Fernseh-Interviews während der Matches mit Coaches und verstärktem Einsatz von Mikrofonen auf dem Platz wird eine neue Ära eingeläutet.

Die Änderungen werden auch von den Spielerinnen der WTA unterstützt. Interviews unmittelbar vor dem Betreten des Platzes mit den Akteurinnen sind ebenso geplant wie Analysen ihrer Trainer zum Spielverlauf.

WTA-Boss Larry Scott meinte, dass die Innovationen den Beginn einer neuen Ära in diesem traditionell konservativen Sport bedeuten würden. "Die Änderungen, die wir heute ankündigen, repräsentieren einen signifikanten kulturellen Wechsel. Tennis ist ein Sport mit viel Tradition und Protokollen. Ich glaube, das Tennis hat sich wahrscheinlich zu sehr auf diese Traditionen verlassen."

So sei "Reality TV" heute einfach auch Realität. "Die Leute erwarten einfach mehr Hintergrundberichte und einen verstärkten Blick hinter die Kulissen", ergänzt Scott. Zusätzliche Mikrofone auf dem Platz und dem Schiedsrichterstuhl sollen den Sport dem Zuschauer zusätzlich näher bringen.

Um die bevorstehenden Innovationen den Akteuren besser erklären zu können, hat die WTA sogar eine Expertise aus Hollywood eingeholt. "Am Montag hatten wir hier in Miami eine Sitzung mit einem Hollywood-Regisseur, der erklärt hat, was in der Unterhaltungs- und Medienbranche abläuft", verriet der WTA-Boss. Die Spielerinnen könnten nun besser verstehen, was der Konsument vor dem Fernseher sehen möchte.

Scharfe Kritik von Federer und Safin

Die Tennis-Stars Roger Federer und Marat Safin haben sich am Mittwoch in der deutschen Tageszeitung "Die Welt" vehement gegen die Einführung von Fernseh-Zeitlupen bei strittigen Bällen ausgesprochen. "Es ist Wahnsinn, was da passiert. Die reinste Geldverschwendung", sagte der Weltranglisten-Spitzenreiter Federer, der nicht fassen kann, "was für ein unglaublicher Aufwand getrieben wird, um Entscheidungen zu korrigieren, die sich im Lauf eines Matches, eines Turniers und der ganzen Saison sowieso ausgleichen."

Kritisch blickt auch Safin der Premiere des Videobeweises entgegen. Ab sofort dürfen die Spieler pro Satz mindestens zwei umstrittene Entscheidungen von Schieds- und Linienrichtern anfechten. "Das wird dieses Spiel zerstören", sagt der Moskauer, "es wird den Spielfluss verlangsamen, den Schwung herausnehmen. Wer war das Genie, der auf diese idiotische Idee gekommen ist?" Es gebe "tausend Möglichkeiten, Tennis zu beleben und attraktiver zu machen", so Safin, "aber der Videobeweis gehört definitiv nicht dazu". (APA/Reuters)

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    Sängerin Gwen Stefani mit Gemahl Gavin Rossdale (re/Bush) und Tennis-Spielerin Lindsay Davenport (li) nahe am Geschehen. Auch für Fernsehzuschauer soll der Sport nun attraktiver werden.

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