Wo bleibt der Körper?

22. März 2006, 12:57
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Seminare mit Barbara Duden über Körper und Medizin in Bozen

30. März 2006
  • Seminar 14 - 17 Uhr
    "Zügige Entkörperung?"
    Zur Geschichte des Frauenkörpers zwischen 1970 und der Jetzt-Zeit
    Barbara Duden spricht über den Bruch mit der "Ur-Zeit" der Medizin, d.h. der Zeit vor 1980, also vor Ultraschall und Amniozentese, die Zeit vor dem Fötus, vor Aids und Hormonschweinen. In jener Urzeit war der absolute Vorrang des Erlebens und Befindens als Kriterium des Wohlseins nicht durch das Monopol des technischen Denkens bedroht. Das Handeln und die politische Kalkulation mit Menschen-Mengen in einer Welt technischer Normen, in der das Denken in systembezogenen Begriffen für das Erlebnis maßgeblich geworden ist, spiegelt für Duden einen Endpunkt in der Körpergeschichte.
    Frauenarchiv, Pfarrplatz 15, Bozen

  • Vortrag 20 Uhr
    "Mein Körper - mein Risiko"
    Ein folgenreiches, praxisleitendes Missverständnis
    Für eine Serie von potentiellen Erkrankungen bestimmt die Medizin Risikofaktoren, und heutzutage gibt es in der "zivilisierten Welt" die Möglichkeit der Prädiktion und Prävention. Dabei entsteht die Illusion, dass Krankheit grundsätzlich vermeidbar sei, wenn die Einzelnen einen gesunden Lebensstil pflegen, sich ausreichend informieren und gezielt Risikomanagement betreiben.

    Barbara Duden äußert sich als Historikerin zu einer Medizin der Risikokalkulation, indem sie aufzeigt, dass "Propaganda für Chance und Risiko, Wahrscheinlichkeit und Inzidenz unvermeidlich zur öffentlichen Verwirrung durch eine gezielte Belehrung über prinzipiell Unverständliches" führt. Sie zeigt, dass durch Information beispielsweise über Krebsrisiko beunruhigende Angst erzeugt wird, die Frauen verunsichert und hilflos macht.
    Landhaus 1 - Innenhof, Crispistraße 3, Bozen

    31. März 2006

  • Seminar 9 - 12 Uhr
    Das Alltags-Gen
    Über die sozialen Folgen öffentlichen Gen-Geredes
    Wie bei keinem anderen Fachwort klaffen beim "Gen" wissenschaftliches Konzept und öffentliche Wahrnehmung auseinander: Während Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung die Hypothese widerlegt haben, es gäbe definierbare Grundeinheiten der Vererbung und Entwicklung – also "Gene" – ist das Wort außerhalb des Labors zum Sinnbild für den "Grundbaustein des Lebens" und seine technische Manipulation geworden. Im Projekt "Das Alltags-Gen" hat Barbara Duden die Bedeutung, die in der Umgangssprache dem "Gen" gegeben wird, auf die sozialen Folgen dieses Verständnisses hin untersucht. Was besagt, fordert und diktiert "Gen", wenn es in familiären oder ratgebenden Gesprächen auftaucht? Was meinen die Leute, wenn sie von "meinen Genen" oder "deinen Genen" sprechen?

  • Diskussionsforum 14 - 16 Uhr
    Inhaltliche Vertiefung und politische Handlungsansätze
    Frauenarchiv, Pfarrplatz 15, Bozen

    Für die Teilnahme an den Seminaren ist eine Anmeldung bis 23. März erforderlich: Frauenbüro, Crispistraße 3, Bozen
    Tel. 0471 41 11 80/81 - Email. (red)

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