Bertelsmann setzt auf Schwung aus Investitionen - Börsegang unklar

27. März 2006, 15:55
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Für 2006 weiteres Umsatz- und Gewinnplus erwartet - Im Vorjahr rund 2,5 Milliarden Euro in neue Geschäfte investiert

Einen möglichen Börsengang vor Augen, setzt Europas größter Medienkonzern Bertelsmann in diesem Jahr auf den Schwung aus milliardenschweren Investitionen. In neue Geschäfte seien 2005 rund 2,5 Mrd. Euro geflossen, sagte Vorstandschef Gunter Thielen am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Beim Umsatz soll das Wachstum nach einem Plus von 5,1 Prozent auf 17,9 Mrd. Euro in diesem Jahr noch deutlich üppiger ausfallen. Auch beim operativen Ergebnis peilt der Vorstand nach dem Sprung auf 1,6 Mrd. Euro (plus 13 Prozent) weitere Steigerungen an. "Dazu sollen alle sechs Unternehmensbereiche beitragen", kündigte Thielen an.

Börsegang unklar

Klarheit über einen möglichen Gang an den Kapitalmarkt wird es laut Thielen frühestens Ende Mai geben. Dann werde der belgische Minderheitsaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL) möglicherweise seine Pläne konkretisieren. Im Jänner hatte die Gesellschaft des Finanz-Investors Albert Frère angekündigt, ihren Anteil von 25,1 Prozent am Bertelsmann-Grundkapital bei günstigen Marktbedingungen an die Börse bringen zu wollen. "Mehr wissen wir nicht. Wir führen auch keine Gespräche mit ihnen", sagte Thielen. Der Konzern sei seit 2001 für einen solchen Schritt gerüstet. Damals hatte Bertelsmann im Tausch gegen die GBL-Anteile die Mehrheit an der heutigen RTL-Group erlangt.

Für 2006 weiteres Umsatz- und Gewinnplus erwartet

Die Familie von Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn werde "keine Aktie abgeben", sagte Thielen. Für die Familie bleibe es damit bei 75 Prozent der Stimmrechte. "Das ist eine strategische Entscheidung." Dies bedeute auch, dass ein Börsengang "keinen einzigen Cent" in die Konzernkasse bringen werde. Umso wichtiger sei es, die Ertragskraft unabhängig davon weiter zu steigern.

Im nächsten Jahr soll das Ziel einer zweistelligen Umsatzrendite erreicht sein. Sie stieg 2005 schon auf 9 Prozent. Allerdings ging der Gewinn unter dem Strich auf 1,04 (Vorjahr: 1,17) Mrd. Euro zurück. Bertelsmann verwies aber auf Sondereffekte im Jahr 2004 wie den Verkauf von US-Immobilien.

Deutlich verbesserte Ergebnisse

Operativ verbesserten im vergangenen Jahr alle sechs Bereiche ihre Ergebnisse. Den größten Beitrag lieferte erneut die RTL-Group mit einem operativen Gewinn von 756 (Vorjahr: 668) Mio. Euro. Sie vereint 34 TV-Sender und 34 Radioprogramme. Das stärkste Umsatzwachstum erzielte die Industrie- und Dienstleistungstochter Arvato, deren Erlöse von 3,8 Mrd. auf 4,4 Mrd. Euro wuchsen. Der Gewinn verbesserte sich um 10 Prozent auf 341 Mio. Euro. Gruner + Jahr, Europas größter Zeitschriftenverlag ("Stern", "Brigitte"), baute den Umsatz nach dem Start von 16 neuen Titeln um 7,6 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro aus und verbuchte 250 Mio. Euro Gewinn, ein Plus von 40 Mio. Euro. Die weltgrößte Buchverlagsgruppe Random House ("Heyne") legte auf 166 (Vorjahr: 140) Mio. Euro Gewinn zu.

Das in der Direct Group gebündelte Geschäft mit Buch- und Musikclubs kam nach langer Schwäche wieder in Fahrt. Der Umsatz stieg um 9,6 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro, der operative Gewinn auf 53 (Vorjahr 32) Mio. Euro. In diesem Jahr sollen auch die defizitären Clubs in Deutschland und Großbritannien wieder in der Gewinnzone sein.

Einbußen bei Musiktochter BMG

Einbußen musste indes die mit dem japanischen Sony-Konzern verschmolzene Musiktochter BMG hinnehmen. Bei Bertelsmann schlug das mit einem Minus beim Spartenumsatz von 16,5 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro zu Buche. Dank erheblicher Kostensenkungen im Zuge der Fusion stieg der operative Gewinn dennoch um 9,3 Prozent auf 177 Mio. Euro.

Zur angestrebten Ergebnisverbesserung im Konzern solle neben den jüngsten Investitionsanstrengungen auch sinkende Restrukturierungskosten für Sony BMG und die Buchclubs beitragen, sagte Finanzvorstand Thomas Rabe. Thielen betonte, Bertelsmann habe auch künftig einen Spielraum von durchschnittlich 1 Mrd. Euro pro Jahr über laufende Investitionen hinaus. Die Zahl der Beschäftigten soll weiter steigen. Im vergangenen Jahr wuchs sie weltweit um rund 10.000 auf 88.000. (APA/dpa)

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