Roy Ayers & Band

24. März 2006, 11:27
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"Believers" präsentiert Godfather des "Urban Groove", Roy Ayers. Wir verlosen 3x2 Konzertkarten und 3 CDs "Hot Grits"

Als Roy Ayers 1993 sein Österreich-Debüt beim Wiener Clubbing Soul Seduction gab, erlebte diese Veranstaltung noch einmal ein letztes Hoch. Etwa 1500 Musikhungrige versammelten sich, um dem neben Lonnie Liston Smith und Donald Byrd maßgeblichsten Jazzfunk-Pionier der siebziger Jahre Reverenz zu erweisen. Da mußten einfach alle aufs Parkett, die Acid-Jazz-Ziegenbärte, die Hiphop-Kids, die Soul-Aficionados, die Jazzfreaks und auch die erste House-Generation.

Selten hat ein Musiker, die sonst so auf Abgrenzung bedachten Stämme der Jugendkultur derart gekonnt vereint, wie der 1940 geborene Vibraphonist, der bereits als Fünfjähriger eine schicksalswendende Begegnung hatte: "Meine Eltern nahmen mich damals auf ein Konzert von Lionel Hampton mit. Nicht nur, daß mir Hampton seine Schlägel schenkte, waren auch die Vibrationen, die diese Musik in mir auslöste, unvergesslich. Weil meine Eltern lange Zeit nicht genügend Geld für ein Vibraphon für mich hatten, experimentierte ich erst einmal mit Flöte, Saxphon und Schlagzeug herum, ehe es dann mit Siebzehn soweit war: ich wurde stolzer Besitzer eines eigenen Vibraphons."

Nicht viel später tauchte der Name Roy Ayers auf Platten des Saxophonisten Curtis Amy auf. Der junge Musiker spielte mit "West Coast Vibes" 1963 eine erste Platte ein und tummelte sich bald mit der Crème der Musikszene L.A.'s. "Bald spielte ich bei Vi Reed und in der Jack Wilson Band, jammte mit Bobby Hutcherson und Dave Pike. In diesen, meinen Lehrjahren lernte ich vor allem eines: etwas zu riskieren. Als ich dann in der Gerald Wilson Big Band spielte war ich wie im Himmel. Seite an Seite mit einem Art Pepper, einem Harold Land und einem Bud Shank zu spielen war einfach großartig. Im Nachhinein kommt mir das alles wie ein Traum vor, der allzu rasch vorüberging." Als der junge Musiker dann 1966 nach New York übersiedelte, erfolgte ein essentieller Karrieresprung. Er wurde von Herbie Mann angeheuert und bereiste die halbe Welt.

In der Band des kürzlich verstorbenen Flötisten, der auch drei superbe Ayers-Soloplatten produzierte, lernte Ayers auch den Kern seiner zukünfigen Band "Ubiquity" kennen. Kapazitäten wie Mirouslav Vitous, Sonny Sharrock, Bruno Carr und Alphonse Mouzon spielten später in Ayers’ kreativster Phase zwischen 1970 und 1977 mit dem gebürtigen Kalifornier, als er mit ungewöhnlich weichen Grooves, gepaart mit harschen, sozialkritischen Texten ein großes Publikum erobern konnte. Alben wie "Red, Black & Green", "Mystic Voyage" und "A Tear to a Smile" setzten höchste Standards. Sein Credo war und ist, sich ständig zu wandeln. So konnte er in der Disco-Ära mit Clubhymnen wie "Can´t you see me" und "Love will bring us back together" und mit dem eigenen Label Uno Melodic reüssieren: "Das war eine schöne Zeit. Wir machten Alben mit Justo Almario, The Eighties Ladies und vor allem mit Sylvia Striplin."

Roy Ayers, der auch mit Fela Kuti und James Mtume spannende, klangvolle Kollaborationen einging, konnte sich ab Mitte der achtziger Jahre über unerwartete Geldflüsse freuen. Hiphopper, Acid Jazzer und Elektronikmusiker sampelten seine zarten Grooves (vor allem seine Hits "Everybody Loves the Sunshine" und "Searching") und die Tantiemengelder flossen sturzbachartig.

"Ich habe immer neue Formen des Ausdrucks gesucht. Ich mag neue Technologie. Wenn ich heute oft gefragt werden, wie ich es anstellte, solch einen Sound zu kreieren, kann ich eigentlich gar keine Antwort darauf geben. Er entstand einfach beiläufig. Das ist für mich etwas frappierend, daß die Kids so auf Sound abfahren und von musikalischer Struktur ziemlich wenig Ahnung haben. Dennoch ist es ein großes Kompliment für mich, daß sie meine Musik samplen. Darüber hinaus hat es mein Verständnis für neue Kunstformen geschärft. Als damals Kurtis Blow und Grandmaster Flash mit dem Rappen anfingen, hätte ich wetten können, daß das eine kurzlebige Angelegenheit ist. Heute habe ich längst die Wichtigkeit des Raps erkannt. Die Leute, die das machen, sind unsere Söhne, keine Aliens, also muß man sich damit beschäftigen. Ich stehe auf die positiven Rapsachen, wie "Red, Hot & Cool", wo es humanistische Zielsetzungen gibt."

Dennoch pocht im Blut des umtriebigen Musikers, der zuletzt zwei superbe Alben (darunter "Virgin Ubiquity") mit unveröffentlichten Perlen aus der Ära 1976-81 herausbrachte, eine geheime Sehnsucht: "So faszinierend die neuen Technologien sind, mit den man Oktaven splitten, Herr über Streichersätze, Piano und Saxophon sein kann, so gerne würde ich noch einmal ganz simpel ein akustisches Album aufnehmen."

>>>Zum Gewinnspiel

"Believers" präsentiert
ROY AYERS & Band
27.3.2006
ab 20 Uhr
Porgy & Bess
Riemergasse 11
1010 Wien
Tickets - Reservierung und Vorverkauf: Tel. 01/512 88 11 (täglich außer So & Fei ab 15 Uhr)
Eintritt: € 24,00

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