Bush: Ende des Irak-Einsatzes nach meiner Amtszeit

24. März 2006, 20:11
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Militäraktion mindestens bis Ende 2008 - US-Präsident widerspricht Ex-Premier Allawi: Land nicht im Bürgerkrieg

Washington - Über den vollständigen Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak müssen nach Worten von US-Präsident George W. Bush seine Nachfolger und die Regierung in Bagdad entscheiden. Damit erklärte Bush am Dienstag in Washington indirekt, die Militäraktion mindestens bis Ende 2008 fortsetzen zu wollen.

"Wenn ich nicht daran glauben würde, dass wir Erfolg haben, wäre ich nicht dort. Dann würde ich diese Jungs nicht dorthin schicken", sagte Bush auf seiner zweiten großen Pressekonferenz in diesem Jahr. Der Präsident räumte ein, dass der Militäreinsatz im Irak in der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen wird.

Drei Jahre sind seit dem Einmarsch der US-Truppen zum Sturz des damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein vergangen. Noch immer sind 133.000 US-Soldaten in dem Land. Rund 2300 ließen in dem Krieg ihr Leben. Ein stabiles demokratisches System besteht nach wie vor nicht im Irak. Dessen früherer Ministerpräsident Iyad Allawi sagte angesichts der täglichen Anschläge und Überfälle, es herrsche Bürgerkrieg im Land.

Bush: "sektiererische Gewalt"

Dem widersprach Bush jedoch am Dienstag. "Wir alle erkennen, dass es dort Gewalt gibt, sektiererische Gewalt", sagte er. Bei aller Gewalt gebe es Hinweise darauf, dass die Iraker sich gegen einen Bürgerkrieg entschieden hätten. Als Beispiele nannte Bush, dass das irakische Militär weiter eine Einheit bilde und religiöse Führer zu einem Ende der Gewalt aufgerufen hätten.

Bush erklärte auch, er wolle das Gesprächsangebot des Iran annehmen. "Auf diese Weise können wir ihnen klar machen, was an ihren Aktivitäten im Irak richtig und was falsch ist", sagte er. Das Schüren von Gewalt im Irak sei inakzeptabel. Thema der Gespräche soll aber ausschließlich der Irak sein. Verhandlungen über Teherans umstrittenes Atomprogramm müssten auf internationaler Ebene laufen.

"Niemand mag Krieg"

"Niemand mag Krieg. Er führt zu einem Gefühl der Unsicherheit im Land", sagte Bush. Angesichts der Entwicklung sei seine Republikanische Partei auch besorgt über mögliche Auswirkungen auf das Abschneiden bei der Kongresswahl im November. Umfragen zufolge ist die Unterstützung für den Einsatz im Irak und für Bush in der Bevölkerung in den vergangenen Monaten spürbar zurückgegangen.

Ein Abzug der US-Truppen zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber ein großer Fehler, erklärte Bush. "Eine Niederlage im Irak, die wir aber nicht erleiden werden, würde eine ganze Reihe furchtbarer Signale an einen Feind senden, der uns treffen will." Ein zu früher Truppenrückzug und ein Scheitern der Demokratie würden "die Al Kaida ermutigen" und die Anhänger von demokratischen Reformen im Nahen und Mittleren Osten im Stich lassen.

Außerdem stärkte Bush seinem in Bedrängnis geratenen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Rücken. "Ich denke nicht, dass er zurücktreten sollte", sagte Bush. "Er macht gute Arbeit." (APA/AP/Reuters/dpa)

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