Kommentar: Baden verboten

21. März 2006, 19:11
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Ausgerechnet in der Heimat der Freiheitlichen sollen ÖsterreicherInnen diskriminiert werden

Alles, was Recht ist. Aber das konnten die RiederInnen nicht stillschweigend hinnehmen. An Montagen hat ihr Hallenbad nur bis 18 Uhr geöffnet. Ein aufmerksamer Badegast bemerkte, dass trotz Besuchsende noch Betrieb herrschte. Der Pächter gewährt Musliminnen zwei Stunden alleinigen Badespaßes. Empört über dieses Privileg drohten viele RiederInnen ihre Saisonkarten zurückzugeben, wenn nicht ab sofort "gleiches Recht für alle" gilt. Dass die Musliminnen nicht zu den regulären Öffnungszeiten schwimmen gehen können, weil ihnen ihr Glaube einen Badebesuch gemeinsam mit Männern untersagt, interessiert nicht. Neidgefühle ersticken jegliche Toleranz.

Ausgerechnet im Innviertel, der Heimat der Freiheitlichen, sollten ÖsterreicherInnen diskriminiert werden. Kein Wunder, wenn der Bürgermeister von einer "unüberlegten Geheimaktion" des Badepächters spricht. Werden einer Personengruppe Sonderrechte zugebilligt, müssen die scheinbar Zu-kurz-Kommenden offenbar sensibel vorbereitet werden - zumindest dann, wenn die Privilegierten "Ausländer" sind. Dass auch der örtliche Tauchverein nach offiziellem Badeende noch trainieren kann, daran hat sich nie jemand gestört.

Genauso wenig Proteste gibt es in Linz. Einmal in der Woche dürfen nur NudistInnen für zwei Stunden im Hummelhofbad schwimmen. Ein solches Zusatzangebot hebt die Attraktivität des Bades. Ein Zusatzangebot für besagte Frauen bleibt hingegen eine Beschneidung der Rechte der ÖsterreicherInnen und wird nicht als Wahrung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit gewertet. Der Badeabend wurde gestrichen, was de facto einem Badeverbot für Musliminnen gleichkommt. Zufall oder nicht: Am Samstag brüllten Neonazis auf einer Demo in Ried: "Ali, Mehmed, Mustafa, geht zurück nach Ankara." (DER STANDARD, Printausgabe 22.03.2006)

Von Kerstin Scheller
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