Ausgeplantscht in Ried

22. März 2006, 18:39
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Der Badeabend für Musliminnen war den Riedern ein Dorn im Auge - Ein derartiges Privileg war für sie inakzeptabel

Deshalb strich der Pächter das Angebot ersatzlos. Ein Anti-Ausländer-Marsch wurde stillschweigend zugelassen.

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Linz/Ried - Es war ein gern angenommenes Angebot. Jeden zweiten Montag konnten Frauen muslimischen Glaubens nach dem offiziellen Badeende im Rieder Hallenbad schwimmen gehen. Sogar aus dem 40 Kilometer entfernten Schärding kamen Musliminnen. Bis auf Weiteres wird es dieses Zusatzangebot aber nicht mehr geben. Zu stark war der Druck vonseiten der Bevölkerung auf den Pächter.

Mehrere Badegäste hatten angedroht, ihre Saisonkarten zurückzugeben, wenn jenen Frauen noch länger Sonderrechte gewährt werden. Der Pächter sah sich gezwungen den Badeabend vom Programm zu nehmen, auch wenn niemand belästigt wurde und die Frauen Eintritt bezahlten.

Oberösterreichs grüner Menschenrechtssprecher Gunther Trübswasser findet dies mehr als bedauernswert. Für ihn ist es eine "Grundvoraussetzung des Zusammenlebens, ethische oder religiöse Gefühle zu respektieren." Laut der Kleiderregeln ist es Frauen muslimischen Glaubens nicht erlaubt, ein Bad gemeinsam mit Männern zu benutzen.

In der 5200-EinwohnerInnen-Gemeinde Ried im Innkreis haben sich zehn Prozent der Bevölkerung zum Islam bekannt. Dieser Tatsache sollte auch die Kommunalpolitik Rechnung tragen, sagen die Grünen und fordern die Wiederaufnahme des Frauenbadeabends.

TaucherInnen dürfen baden

Der Bürgermeister hat inzwischen angekündigt, im Gemeinderat nach einer Möglichkeit zu suchen. "Schuld" an der ganzen Situation sei aber der Pächter. Er habe ohne Rücksprache mit der Gemeinde einfach das Bad für Musliminnen aufgesperrt. Ein derart sensibles Ausländerthema hätte eine Vorbereitung durch die Gemeinde erfordert. Dass alle zwei Wochen der Tauchverein nach Badeschluss zum trainieren kommt, ist den Riedern nämlich kein Dorn im Auge.

Zu Spannungen zwischen ÖsterreicherInnen und AusländerInnen kommt es in Ried immer wieder. Die Innviertler Gemeinde, auch die Kernzelle der Freiheitlichen, ist immer wieder Treffpunkt rassistischer Kundgebungen. Alle Jahre wieder rechnet die FPÖ am berühmt-berüchtigten politischen Aschermittwoch mit der Regierung in ihrer (Ausländer-)Politik ab. Die Beteiligung für das jüngste FP-Volksbegehren "Österreich bleib frei" war im Bezirk Ried am höchsten.

Anti-AusländerInnen-Marsch

Vorigen Samstag folgten rund 200 Personen dem Aufruf der rechten Gruppierung "Bund freier Jugend" - eines Ablegers der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik - zu einem Anti-Ausländer-Marsch durch Ried. Dass diese "unglaubliche Hetze" stillschweigend toleriert werde, ärgert Trübswasser ganz besonders. Er vermisse von den lokalen Autoritäten erneut eine Stellungnahme und ein Verurteilen derartiger Aktionen. (DER STANDARD, Printausgabe 22.03.2006)

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