Kopierschutz für iTunes und Co. wackelt

21. März 2006, 18:07
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Neues Urheberrechtsgesetz in Frankreich erlaubt Kopierschutz zu knacken - Ein Gesetz mit weit reichende Folgen für den Musikmarkt

Auf den Straßen protestieren in Frankreich dieser Tage Hunderttausende gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes. Fast unbemerkt im Windschatten der öffentlichen Protestes lockert das französische Parlament noch einen anderen Schutz – den vor unerlaubtem Kopieren digitaler Musik, die online verkauft wird. Gestern, Dienstag, sollte der Gesetzesentwurf verabschiedet werden.

 

Auf jeder Art

Das neue Urheberrechtsgesetz will gewährleisten, dass online gekaufte Musik von ihren Käufern jederzeit auf jeder Art von Gerät abgespielt werden kann. Dem steht entgegen, dass auf dem Markt derzeit unterschiedliche kopiergeschützte Dateiformate verwendet werden: So kann Musik aus dem Apple iTunes Music Store (iTMS) nur mithilfe der dazugehörigen iTunes-Software auf dem PC oder Mac und auf Apples MP3-Player iPod wiedergegeben werden; andererseits können Musiktitel von Microsofts MSN-Musikangebot nicht auf dem iPod, sondern nur auf MP3-Player mit dem entsprechenden Windows-Format gespielt werden. Auch Sony verwendet für seinen Connect-Musikdienst ein eigenes Format.

"Es dient nur den Unternehmen"

Auf Basis seiner neuen nationalen Gesetzgebung will sich Frankreich jetzt für eine EU-weite Regelung stark machen. "Wenn jemand einen Song kauft, muss er ihn jeder zeit anhören können, egal welches Gerät oder welche Software er dazu verwenden will", erklärt Martin Rogard, Berater des französischen Kulturministers, in einer Stellungnahme zur Agentur Bloomberg. "Ein proprietäres Format ist weder im Interesse von Konsumenten noch im Interesse der Urheber. Es dient nur den Unternehmen", sagt Rogard.

Damit Konsumenten zu ihrem Recht kommen, kopiergeschützte Musik "auf jedem Gerät und mit jeder Software" abspielen zu können, wird die Aushebelung des Kopier schutzes legalisiert: Dateien dürfen legal in andere Formate verwandelt werden, womit der Schutz geknackt wird.

"Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass Apple in Frankreich seine Musik nicht verkaufen wird"

Die unmittelbaren Auswirkungen des neuen Urheberrechts sind unbekannt, da von Apple und Microsoft, den beiden wichtigsten Anbietern, keine Stellungnahmen vorliegen. "Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass Apple in Frankreich seine Musik nicht verkaufen wird", kommentiert dies Michael Gartenberg vom Marktforscher Jupiter Reseach gegenüber Bloomberg.

Status

Dabei ist auf den ersten Blick nicht offenkundig, ob Apple oder Microsoft nicht bereits jetzt dem Gesetz entsprechen. Denn wie bei den meisten Onlinediensten kann gekaufte Musik auf eine begrenzte Zahl von CDs gebrannt werden – und dabei in ein kopierschutzloses Format verwandelt werden. Auf diesem Umweg können Dateien in jedes andere Format konvertiert und für jede Art von Player (die meist mehrere Formate beherrschen) spielbar werden. Konsumenten illegal geladener Musik können künftig nur noch mit einer Strafe von 38 Euro belegt werden; die Strafe für Weitergabe illegaler Kopien ist 150 Euro. (spu, DER STANDARD Printausgabe, 22.03 2005)

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