New Orleans: Wiederaufbauverbot gekippt

22. März 2006, 19:27
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Bewohner sollen auch in gefährdeten Regionen wieder aufbauen dürfen - Nach Protesten gegen "Vertreibung"

Washington - Alle Opfer von Hurrikan "Katrina" in New Orleans sollen ihre zerstörten Häuser wieder aufbauen dürfen. Das sieht der Plan einer städtischen Kommission vor, der am Montag (Ortszeit) vorgelegt wurde. Allerdings wird zugleich davor gewarnt, dass Stürme von der Stärke "Katrinas" neue Überflutungen in niedriger liegenden Gebieten bringen könnten. Die Bürger in diesen Regionen müssten selbst entscheiden, ob sie ein solches Risiko eingehen wollten.

Stadtteil in Trümmern

"Katrina" hatte am 29. August nach Dammbrüchen fast ganz New Orleans überschwemmt. Der Stadtbezirk Lower Ninth Ward liegt nach wie vor in Trümmern, und insgesamt ist noch nicht einmal die Hälfte der durch den Hurrikan vertriebenen Einwohner nach New Orleans zurückgekehrt.

Die von Bürgermeister Ray Nagin eingesetzte Kommission hatte zunächst ein zumindest mehrmonatiges Wiederaufbauverbot in besonders schwer verwüsteten und flutgefährdeten Gebieten vorgeschlagen. Das hatte wütende Proteste bei den Afroamerikanern ausgelöst, die hauptsächlich in diesen Regionen gewohnt haben. Sie befürchten eine "Vertreibung" aus der Stadt, in der sie bisher deutlich in der Mehrheit waren.

Selbst entscheiden

Nagin, selbst ein Afroamerikaner, rückte nach den Protesten von dem Plan ab und unterstützt jetzt den neuen, der es praktisch ins Ermessen jedes Betroffenen stellt, ob er wieder aufbauen will oder nicht. "Ich bin zuversichtlich, dass unsere Bürger selbst in der Lage sind, klug für sich selbst zu entscheiden, wenn sie alle Fakten kennen", sagte Nagin auf einer Pressekonferenz. Zu den Fakten gehöre es, dass noch mindestens zwei Jahre vergehen würden, bis die Dämme ausreichend verstärkt seien, um auch den niedriger gelegenen Gebieten wie der Lower Ninth Ward Schutz zu bieten.

Am 22. April finden in New Orleans Bürgeremisterwahlen statt. Nagin tritt erneut an. Seine Hauptkontrahenten sind Weiße. (APA/dpa)

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