Triathlon-Siegertypen haben ein "ungestresstes" Nervensystem

27. März 2006, 13:27
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Grazer Studie ermöglicht produktives Training - Körper erholt sich nach Triathlon innerhalb von drei Tagen

Graz - Siegertypen haben trotz harten Trainings ein niedrige Aktivität des sympathischen Nervensystems - das haben Wissenschafter des Krankenhauses Barmherzige Brüder Graz sowie der Technischen Uni herausgefunden. In einer Studie fanden die Grazer eine Möglichkeit heraus, die Balance zwischen Über- und Untertraining zu finden. Nach einem Triathlon erholen sich Kreislauf und autonomes Nervensystem innerhalb von drei Tagen.

Zwei bis vier Wochen brauchen Muskeln und Sehnen, um sich von einem Ironman zu erholen. Ausgehend von dieser Tatsache untersuchten Gerfried Gratze, Falko Skrabal und ihr Team an 25 Triathlon-Teilnehmern 13 hämodynamische und autonome Parameter von Herzschlag zu Herzschlag, z. B. das bei jedem Schlag vom Herzen ausgeworfene Blutvolumen.

Die Grazer waren überrascht, als innerhalb von ein bis drei Tagen nach dem Wettbewerb alle Parameter wieder auf normalem Level waren. "Die Herzleistung war zwar geschwächt, hat sich aber wieder normalisiert. Die Herzfrequenz, das sympathische Nervensystem, der Beruhigungsnerv Vagus - alle Parameter waren innerhalb von drei Tagen wieder normal", so Skrabal zur APA. "Das einzige, was länger verändert blieb, war der Widerstand der Blutgefäße." Die Gefäße blieben nach der Ausdauerbelastung über Tage weiter geöffnet, was das Herz entlastet.

Evolutionär erklärbar

Die rasche Erholung erklären die Forscher mit der Evolution. Zur Zeit der Jäger und Sammler mussten Menschen täglich zehn bis 30 Kilometer teilweise laufend zurücklegen, um zu überleben. 20 Stunden pro Woche seien aus diesem Blickwinkel kein Trainingspensum: "Erst im Industriezeitalter hat sich das Weltbild so verändert, dass ein Triathlon eine großartige Leistung ist", so Skrabal.

Bisher war es nicht möglich, Schätzungen über die voraussichtliche Zielzeit abzugeben. Das Team untersuchte die Aktivität des sympathischen Nervensystems an den Arterien. "Dabei zeigte sich, dass Siegertypen trotz des Trainings einen niedrigen Sympathikus haben", so Skrabal. Sympathikus ist der Antriebsnerv, Adrenalin das dazugehörende Hormon. Das sympathische System wird grundsätzlich bei Stress aktiviert, um den Körper in Leistungsbereitschaft zu setzen. Die schnellsten Triathlon-Teilnehmer wiesen in Ruhe den niedrigsten Sympathikotonus auf, so dass es möglich war, die Wettkampfzeit im Vorhinein abzuschätzen.

"Meist trainieren Sportler an der Grenze - übertreten sie die, können sie oft keine Leistung erbringen, weil sie, ohne es zu wissen, bereits übertrainieren", so Skrabal. Durch die Studie soll das Training in Zukunft besser gesteuert werden können. (APA)

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