Novell setzt wieder verstärkt auf Groupwise

29. März 2006, 10:23
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Exchange / Notes- Alternative darf sich über frisch erwachten Zuspruch erfreuen – Web 2.0-Interface soll mehr plattformunabhängige Möglichkeiten bieten

Nachdem in den letzten Jahren vor allem die Themen Linux + Identity in den Vordergrund gestellt wurden, präsentiert sich Novell auf der diesjährigen Ausgabe seiner Hausmesser Brainshare, die momentan in Salt Lake City stattfindet, mit einer wieder erwachten Breite des Produktangebots. Zwar ist vor allem Linux auch weiterhin DAS zentrale Thema bei allen Novell-Produkten, aber auch "klassische" Novell-Produktschienen wie der Exchange / Notes-Konkurrent Groupwise bekommen wieder mehr Aufmerksamkeit.

Angebot

Versinnbildlichen lässt sich das auch im Vortragsangebot auf der Brainshare, in dem gleich eine ganze Reihe von Vorträgen rund um das Thema Groupwise zu finden sind. Den Eindruck, dass Groupwise wieder mehr firmeninterne Bedeutung bekommen hat, teilt auch Phil Karren, Senior Product Manager für Groupwise bei Novell, im Gespräch mit dem WebStandard. Verantwortlich zeichnen dafür seiner Meinung nach vor allem zwei Dinge: Der eben angekündigte Mobile Server und die ebenfalls neue Workgroup Suite.

AJAX

Für die Zukunft hat man weiter große Pläne für das Produkt, so will man vor allem das Web-Interface weiterentwickeln und sich mit einem Rich-Client – was wohl auch mit den Stichwörtern Web 2.0 oder AJAX festgemacht werden könnte – von der Konkurrenz absetzen. Diesem wird in der Entwicklung derzeit eine recht hohe Priorität zugestanden, im Gegensatz zu einem nativen Linux-Client übrigens: Denn von einem fortgeschrittenen Web-Interface könnten alle Plattformen gleichermaßen profitieren. Auf Sicht wird dieses wohl auch die Nachfolge des Java-Clients antreten, fürs erste heißt dies aber nicht, dass letzterem ein Ende beschieden ist, denn auch dafür gebe es einige KundInnen.

Zeitplan

Das aufgebesserte Web-Interface soll bereits mit der nächsten Groupwise-Generation ausgeliefert werden, diese wird allerdings ein Stückchen später als bisher geplant erscheinen. Hatte es im vergangenen Jahr noch geheißen, dass man den Herbst 06 dafür anstrebe, so will man sich derzeit auf kein konkretes Datum festlegen. Die Verzögerungen sei vor allem durch die ursprünglich nicht geplante Einführung des "Mobile Server" verursacht worden.

Server

Dieser soll übrigens mit dem bevorstehenden Service Pack 1 für Groupwise ausgeliefert werden, und dann gleich kostenlos beiliegen. Vorerst allerdings – wie andernorts bereits erwähnt – nur für den Windows Server von Microsoft, an einer Version für den eigenen SUSE Linux Enterprise Server werde allerdings bereits eifrig gearbeitet, versichert Karren. Der ungewöhnliche Umstand, dass das Unternehmen, das sich selbst so stark auf eine Linux-Strategie eingeschworen hat, nun ein Produkt herausbringt, das vorerst nur für ein Konkurrenzprodukt erhältlich sein wird, ergebe sich daraus, dass die Partnerfirma für dieses Projekt, Intellisync, die zentrale Technologie liefere und bisher schlicht keine Linux-Version entwickelt habe.

Service Pack

Allgemein sind für das Service Pack 1 eine Reihe von Änderungen geplant, die über das übliche Bugfixing hinausgehen, dazu gehören etwa iCalendar-Support und eine "Low-Bandwidth"-Version des Web-Interfaces – manche KundInnen hatten sich über das mit Groupwise 7 eingeführte Interface – und eben vor allem dessen "Bandbreitenhunger" beschwert. Außerdem wurde der Grouwise-Monitor auf Linux portiert und der Outlook-Connector – der den Zugriff auf die Groupwise-Features aus dem client von Microsoft heraus ermöglicht – verbessert.

Open Source?

Der Idee einer Veröffentlichung von Groupwise unter einer Open Source-Lizenz zeigt sich Karren nicht prinzipiell abgeneigt gegenüber, allerdings gebe es dabei eine Reihe von Problemen: Vor allem sei dies aus rechtlichen Gründen schwierig, ein Teil des Codes - vor allem im Sicherheitsbereich - stamme nicht von Novell selber, das seien dem Unternehmen schlicht die Hände gebunden. Bei neuen Entwicklungen überlege man aber schon von Beginn an, ob eine Frage im Quellcode Sinn machen würde.(apo)

Andreas Proschofsky berichtet von der Brainshare in Salt Lake City

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    grafik: novell
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