Schweiz entbündelt "Letzte Meile" der Swisscom

29. März 2006, 10:18
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Noch einige technische Fragen zu klären

Nach jahrelangem Ringen hat das Schweizer Parlament das Kupferkabelnetz der Swisscom für die Konkurrenten geöffnet. Diese haben damit erstmals einen direkten Zugang zu den Kunden, um Telefon- und Datendienste anzubieten. Das Netz der Tekoem Austria, dem ehemaligen österreichischen Monopolisten, ist seit Jahren entbündelt.

Die Abgeordneten beider Kammern des Schweizer Parlaments votierten am Dienstagmorgen in getrennten Abstimmung für die Entbündelung der im Fachjargon auch "Letzten Meile" genannten Leitung. Am Freitag folgt zwar noch eine Schlussabstimmung, in der das Parlament für das gesamte Fernmeldegesetz inklusive des Entbündelungs-Passus grünes Licht geben muss, aber es kommt hier üblicherweise nicht mehr zu Differenzen. Laut Branchenkennern sind aber noch einige technische Fragen zu klären, weshalb die Entbündelung Ende des laufenden Jahres oder sogar erst im kommenden Jahr beginnen dürfte.

Die Swisscom spricht von einer "politischen Entscheidung" und hofft, dass die Preise, zu den sie den Mitbewerbern die Leitungen überlassen muss, hoch genug sind, um die bestehenden Telekom-Netze zu unterhalten und in diese investieren zu können.

Die Swisscom-Aktie lag unmittelbar nach der Entscheidung um rund ein Prozent tiefer, und tendierte gegen 13.50 Uhr wieder ausgeglichen bei 418,50 sFr.

Die Swisscom ist nach Aussage von Serge Rotzer, Technologieexperte von der Zürcher Kantonalbank, mit einem blauen Auge davon gekommen. "Der Kompromissvorschlag, der eine auf vier Jahre begrenzte Öffnung vorsieht, ist sicherlich zu Gunsten der Swisscom ausgefallen", sagte Rotzer. Die Swisscom-Konkurrenz erhalte nun Planungssicherheit. Doch kündigte Tele2 bereits an, wegen der Befristung hauptsächlich in den Zentren investieren zu wollen. Sunrise zeigt sich hingegen insgesamt zufrieden.

Der Begriff "Letzte Meile" bezeichnet das letzte Stück im Swisscom-Netz von der Vermittelungsstation bis den Festnetzanschlüssen. Da diese Leitungen den einzigen Weg für schnelle ADSL-Internet-Verbindungen in die Wohnungen darstellen, sind sie ein Engpass in den modernen Telekom-Infrastrukturen. Funkanbindungen werden auf absehbare Zeit nicht genauso schnell werden wie die bisherigen DSL-Verbindungen und sind zudem wegen der vermeintlichen Strahlenbelastung hoch umstritten.

Doch ist die Swisscom derzeit dabei, mit VDSL bereits den Nachfolger der in absehbarer Zeit an ihre Grenzen stoßenden ADSL-Technik unter den Schweizer Bürgersteigen zu vergrabn. VDSL hat zwei Vorteil: die Technik basiert auf einem Glasfasernetz und ist somit von der Entbündelung, die sich explizit nur auf Kupferkabel bezieht, nicht betroffen. Zum zweiten sind Übertragungsraten von 25 bis 50 Mbit/s möglich, im Vergleich zur derzeitigen ADSL-Höchstgeschwindigkeit von 5 Mbit/s. Swisscom-Chef Carsten Schloter hegt für das noch im laufenden Jahr an den Start gehende Netz große Pläne und will darüber Fernsehen anbieten.(APA/Reuters)

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