Verwirrung um angebliches geheimes Nazitreffen in Oberösterreich

22. März 2006, 09:04
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Soll laut italienischer Zeitung in Braunau stattgefunden haben - Exekutive: "Nichts bekannt"

Verwirrung herrscht in Oberösterreich um ein angebliches geheimes Nazitreffen im oberösterreichischen Braunau, von dem die römische Tageszeitung "La Repubblica" berichtet hat. Während es in dem Bericht heißt, die deutsche Polizei habe die Zusammenkunft bestätigt, ergab eine APA-Anfrage bei den oberösterreichischen Sicherheitsbehörden und bei der Kriminalpolizei in Passau, dass das Treffen bei der Exekutive nicht bekannt sei.

Laut dem Zeitungsbericht sollen mehrere Österreicher, rechtsextreme Anhänger deutscher Fußballclubs und Aktivisten aus Italien, Spanien, England und den Niederlanden an dem Treffen teilgenommen und Störaktionen für die bevorstehende Fußball-WM geplant haben. "Der Nazismus wird durch die WM in Deutschland neu aufleben", soll ein Neonazi laut dem Artikel bei dem Treffen gesagt haben. Die deutschen Teilnehmer sollen ihren Kollegen genaue Anweisungen dafür erteilt haben, wie man die Polizei an besten attackieren könne.

Keine Bestätigung

Die Sicherheitsdirektion Oberösterreich konnte ein derartiges Treffen nicht bestätigen. Ein Lokal, das nach der Beschreibung des Zeitungsberichts am ehesten als Versammlungsort in Frage kommen würde, ist überprüft worden. Nach einem Gespräch mit dem Eigentümer könne man aber ausschließen, dass dort ein derartiges Treffen stattgefunden habe, sagte Sicherheitsdirektor Alois Lißl zur APA.

Auch bei der Kriminalpolizei in Passau war das Neonazi-Treffen unbekannt. Es gebe aber im bayrisch-oberösterreichischen Grenzgebiet traditionell öfter Veranstaltungen derartiger Gruppierungen. Erst kürzlich sei von Aktivisten aus dem Dunstkreis der NDP auch eine "Rechtsschulung für den Umgang mit der Polizei" abgehalten worden.

"Infoladen" berichtet von ausländerfeindlicher Demonstration

Der Welser Kulturverein "Infoladen" berichtete von einer ausländerfeindlichen Demonstration "unter maßgeblicher Beteiligung der Neonazi-Gruppierung Bund freier Jugend" am vergangenen Wochenende in Ried, der Hauptstadt des gleichnamigen Nachbarbezirks von Braunau. 150 Teilnehmer aus der "rechtsextremen bis neonazistischen Szene" sollen daran teilgenommen und ausländerfeindliche Parolen gebrüllt haben, so der "Infoladen". Diese Demonstration sei ruhig verlaufen, erklärte Sicherheitsdirektor Alois Lißl, Probleme hätte eher die "60 Mann starke autonome Linke" gemacht. (APA)

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