DFB-Team in "heißer Phase"

22. März 2006, 22:29
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Großer Druck für die Klinsmann-Elf beim Test am Mittwoch gegen USA - Pfiffe beim Training der Klinsmann-Elf in Dortmund

Dortmund - Drei Wochen nach dem 1:4-Debakel in Italien testet Fußball-WM-Gastgeber Deutschland am Mittwoch um 20:30 Uhr (live ZDF) in Dortmund gegen die USA. Kapitän Michael Ballack bezeichnete die Neuauflage des WM-Viertelfinales 2002 als "ein entscheidendes Spiel für die WM-Stimmung". Bundestrainer Jürgen Klinsmann meinte: "Wir sind in einer heißen Phase."

Ballack ließ am Dienstag auch mit der Aussage aufhorchen, dass er davon ausgehe, dass Oliver Kahn bei der WM im deutschen Tor stehen werde. "Wenn der Trainer seine Entscheidung bekannt gibt, rechne ich mit keinen großen Überraschungen." Klinsmann habe immer gesagt, dass Kahn die Nummer eins sei und Jens Lehmann der Herausforderer.

Bei der Operation Wiedergutmachung muss Klinsmann auf Robert Huth verzichten und damit trotz der Ausbootung von Christian Wörns voll auf die Dortmunder Karte setzen. Nach dem Ausfall von Torsten Frings und der nicht erteilten Freigabe für Huth durch dessen Klub Chelsea sollen die Lokalmatadoren Christoph Metzelder und Sebastian Kehl der wackligen deutschen Defensive Halt geben.

Fünf Siege, zwei Niederlagen gegen USA

Deutschland bestreitet zum 13. Mal ein Ländermatch in Dortmund. Bisher war das stimmungsvolle Stadion für die Gäste stets eine uneinnehmbare Festung. In den zwölf Partien gab es elf Siege und ein Remis (1977 ein 1:1 gegen Wales). Auch die Gesamtbilanz gegen die USA ist positiv: fünf Siege, zwei Niederlagen. Das bis dato letzte Duell ging im WM-Viertelfinale 2002 über die Bühne, dank eines überragenden Torhüters Kahn und eines Treffers von Ballack setzten sich damals die Deutschen in Südkorea glücklich 1:0 durch.

Im Gegensatz zu den mit Argusaugen beobachteten und schwer unter Druck stehenden Deutschen treten die Gäste trotz des Fehlens von sechs Stammkräften (Donovan, Beasley, Reyna, McBridge, Lewis und Onyewu) vollkommen unbeschwert auf. "Jeder der hier ist, trägt das USA-Emblem auf der Brust und hat eine wunderbare Möglichkeit, sich zu beweisen", sagte Teamchef Bruce Arena, ein guter Freund von Klinsmann.

Erstaunliche Weltrangliste

US-Abwehrspieler Berhalter, Deutschland-Legionär bei Energie Cottbus, versteht das Wehklagen der Deutschen ohnehin nicht: "Das ist zwar nur ein Freundschaftsspiel, aber Deutschland steht unter Druck. Dabei ist es eines der stärksten Teams der Welt - nur die Leute vergessen das." Nimmt man übrigens die Weltrangliste des Weltverbandes FIFA als Maßstab, ist der Gastgeber nur krasser Außenseiter: Die USA, die bei der WM in der Vorrunde auf Ghana, Italien und Tschechien trifft, wird auf Rang fünf, Deutschland auf Platz 22 geführt.

Die heftigen "Klinsi"-Diskussionen im WM-Gastgeberland werden natürlich auch in der zweiten Heimat des DFB-Teamchefs gerne pointiert behandelt. So schrieb etwa die "New York Times" in ihrer Vorschau: "Panik beim Gastgeberland, das Angst zu haben scheint, dass ihr Coach ein Baywatch-Blonder ist, der sich eher Gedanken um seinen Teint macht als um die Mission WM-Titel."

Pfiffe beim Training in Dortmund

Am Tag vor dem Fußball-Länderspiel der Deutschen gegen die USA ist die erhoffte Versöhnung zwischen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und dem Publikum ausgeblieben. Bei einem öffentlichen Training der deutschen Kicker im Dortmunder WM-Stadion machten Fans ihrem Unmut über Klinsmann mit beleidigenden Sprechchören Luft. "110 Prozent Anti-Klinsi" war auf einem Transparent zu lesen, das erst eingerollt wurde, als Ordner einschritten.

Drei Wochen nach der 1:4-Pleite gegen Italien wurden die Nationalspieler von den gut 5.000 Zuschauern mit mäßigem Beifall, aber auch mit Pfiffen empfangen. Lautstark skandierten Zuschauer den Namen des Dortmunder Verteidigers Christian Wörns, den Klinsmann aus dem Kader gestrichen hatte. Wörns hatte Klinsmann daraufhin öffentlich als "link" bezeichnet und ein Treffen mit dem Bundestrainer platzen lassen. (APA/dpa/Reuters)

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