Österreichische Hilfe für junge Opfer der "Noma"-Krankheit

28. März 2006, 16:01
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Bakterielle Infektion betrifft vor allem afrikanische Kinder - Heimische Operationsmethode soll Standard werden

Wien - Hilfe für afrikanische Kinder mit schwersten Verstümmelungen im Gesicht durch die "Noma"-Krankheit: Am Freitag, 25. März, findet in Wien ein Kongress mit 200 internationalen Experten statt, bei dem die optimale Hilfe für die Opfer dieser lebensgefährlichen bakteriellen Infektion diskutiert werden soll. Gut möglich, dass in Zukunft eine in Wien entwickelte kieferchirurgische Methode der Standard wird.

"Noma ist eine bakterielle Erkrankung, die vor allem in Afrika geschwächte Kinder im Alter unter sechs Jahren befällt. Dabei frisst ein Geschwür, das oft an den Wangen beginnt, binnen drei bis vier Wochen das Gesicht mit Weichteilen, Kiefer und anderen Knochenanteilen buchstäblich weg", erzählte der Wiener Kieferchirurg Univ.-Prof. Dr. Kurt Vinzenz (Evangelisches Krankenhaus) der APA.

Bis zu 90.000 Opfer pro Jahr

Es wird gerechnet, dass pro Jahr 80.000 bis 90.000 Kinder an der Erkrankung sterben. Vor der Entdeckung der Antibiotika trat sie unter den Ärmsten der Armen auch in Europa auf. In den NS-Konzentrationslagern fielen ihr die ausgemergelten Häftlinge zum Opfer.

Der Kieferchirurg: "Wenn ein solches Kind erst in einem späten Stadium in Behandlung kommt, bleiben oft ärgstens verstümmelnde Defekte im Gesicht zurück. Sie müssen behoben werden, wenn man den Opfern wieder ein annähernd normales Leben gewährleisten will."

Doch die bisherigen Operationsmethoden, die alle aus den Industriestaaten kamen, waren für Entwicklungsländer wie zum Beispiel Niger zu teuer und praktisch völlig ungeeignet. Vinzenz: "Dazu fehlen einfach die technischen Einrichtungen. Und wenn man alle Opfer für die Operation in Industriestaaten verlegen würde, wäre das viel zu teuer."

Kostengünstige Operationsmethode entwickelt

Der Experte hat daher bei Besuchen in Niamey im Niger in den vergangenen Jahren eine vergleichsweise einfache und kostengünstigere Operationsmethode entwickelt. Vinzenz: "Damit ist es mit und meinem Team das erste Mal geglückt, bei einem schwerstens verunstalteten elf Jahre alten Bub acht Zentimeter Kiefer binnen 80 Tagen nachwachsen zu lassen - gleich gemeinsam mit der Schleimhaut und dem sonst notwendigen Gewebe."

Die Fachleute setzten dafür erstmals die so genannte Distraktionsosteogenese ein. Mit einem per Schraube aufdehnbaren, an Wange und Kiefer außen befestigten Gestell ("Fixateur extern" - wie bei der Versorgung von Trümmerbrüchen der Beine) werden die Teile fixiert und jeden Tag bis zur richtigen Größe und Form gedehnt. Vinzenz: "Das erfolgt jeden Tag um einen Millimeter. Der Zug lässt neues Knochenmaterial und Gewebe nachwachsen. Die Operationsdauer von zwölf bis 16 Stunden samt fünf Tagen Intensivstation in Europa wird bei solchen Eingriffen auf zwei bis drei Stunden Operation ohne notwendige Intensivpflege reduziert." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Bild zeigt ein an "NOMA" erkranktes Kind. Eine in Wien entwickelte kieferchirurgische Methode könnte in Zukunft Standart in der Behandlung von "NOMA" werden.

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