IHS-Felderer: "Das Problem ist lösbar"

21. März 2006, 14:03
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Beispiele Frankreich und Dänemark zeigen wie es geht, Beruf und Familie zu vereinbaren und dadurch Geburten zu sichern

Wien - Österreichs Bevölkerung wird trotz der schon seit Jahrzehnten herrschenden niedrigen Geburtenrate wegen der Zuwanderung leicht wachsen, "es ist aber eine Illusion zu glauben, dass wir das Problem nur durch Einwanderung lösen können", meint IHS-Chef Bernhard Felderer. Um 2030 werde sich das österreichsiche demographische Problem zuspitzen, dem Land drohe dann ein Bevölkerungsverlust von einem Prozent pro Jahr. "Wir brauchen mehr Geburten, damit die Bevölkerung nicht stark schrumpft", meinte Felderer am Dienstag in einem Gespräch mit der APA. Frankreich und Dänemark zeigten, dass das möglich sei.

Job und Familie ermöglichen

Ein Zurückdrängen der Frauen aus der Berufstätigkeit dürfe es nicht geben, sagte der Ökonom. Umfragen zeigten, dass die meisten Frauen Nachwuchs wollten, dass aber die "Opportunitätskosten, wenn die Frau die Berufstätigkeit unterbricht, um Kinder zu kriegen, oft enorm sind". Die Gesellschaft müsse "alles tun, um Beruf und Kinder besser vereinbar zu machen". Die Einführung des Kindergelds sei eine richtige Maßnahme gewesen, die sich auch in etwas steigenden Fertilitätsraten bemerkbar gemacht habe, reiche aber nicht aus.

Kostenlose Kinderbetreuungen

Es müssten mehr Kinderbetreuungseinrichtungen geschaffen werden, die für einkommensschwache Eltern auch gestützt werden sollten. Als positives Beispiel nannte Felderer die Einrichtung einer kostenlosen "ecole maternelle" in Frankreich, die Kinder ab einem Alter von drei Jahren aufnimmt. "Das Problem ist lösbar, das zeigen die Beispiele in Frankreich und Dänemark", sagte Felderer. Die Geburtenraten der beiden Länder seien hoch genug, dass die Bevölkerung auch ohne Zuwanderung beinahe konstant bleiben wird.

Erste Auswirkungen des demographischen Wandels seien bereits unter bei manchen 18 bis 30-Jährigen zu bemerken, eine Gruppe, die "halb so stark ist, wie eine Generation davor". Das Einkommen dieser Gruppe, sei (relativ zu den anderen Altersgruppen und inflationsbereinigt gegenüber früher) gestiegen. Das sei zwar nicht schlecht, "wir können heute aber nicht sagen, wie die Unternehmen reagieren, wenn das durchschnittliche Alter der Beschäftigten um sieben oder zehn Jahre höher ist."

Zuwanderung keine Lösung

Die Zuwanderung allein sei nicht der Problemlöser schlechthin - schon deswegen nicht, weil eine massive Zuwanderung "die Frage aufwerfen würde, wie definieren wir uns, gibt es eine kulturelle Kontinuität in diesem Land". Zuwanderung sei aber ein Teil der Lösung. Besonders wichtig sei jedenfalls eine "exzellente Ausbildung" - für Zuwanderer, aber auch für Nicht-Zuwanderer. (APA)

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