22. März 2006, 11:43
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Unbekannte Täter haben bei den Präsidentenwahlen in Weißrussland einen Reporter der meistgelesenen tschechischen Qualitäts-Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" verprügelt, verletzt und bestohlen. Wie das Blatt am heutigen Dienstag weiters berichtete, hat sich der Angriff am Sonntagabend im Zentrum der Hauptstadt Minsk ereignet. Sowohl die Redaktion des Blattes als auch tschechische Diplomaten meinen, dass der Journalist, Jan Rybar, höchstwahrscheinlich ein Opfer der weißrussischen Geheimpolizei wurde.

Zwei Männer hätten ihn etwa um 23.00 Uhr in einer dunklen Flur überfallen, nachdem er den Oktober-Platz verlassen hatte, wo eine Demonstration gegen die Manipulation der Präsidentenwahlen stattfand. Die Angreifer hätten ihn mit Faustschlägen niedergeschlagen und danach mit Fußtritten ins Gesicht verletzt. Nach mehrminütiger Prügelei hätten sie ihm sein Notebook und sein Satelliten-Telefon, nicht aber sein Geldtasche gestohlen. Dabei habe er eine Gehirnerschütterung sowie Nase-, Augen- und Gebissverletzungen erlitten.

Geplante und gezielte Aktion der weißrussischen Geheimpolizei

Der tschechische Geschäftsträger in Minsk, Vladimir Ruml, meinte dazu, alles deute auf eine geplante und gezielte Aktion der weißrussischen Geheimpolizei hin. Der Journalist sei zwar an einem dunklen Ort überfallen worden, allerdings direkt im Stadtzentrum, wo die Sicherheitsbehörden praktisch an jeder Ecke ihre Leute gehabt hätten. Rybar sei offenbar schon seit Samstag von jenem Moment an beschattet worden, als er ein Protest-Konzert besucht habe, zu dem er in einem Diplomatenwagen mit tschechischer Flagge gekommen sei.

Gründliche Überprüfung gefordert

Die Redaktion von "Mlada fronta Dnes" erklärte, man werde eine gründliche Überprüfung des Zwischenfalls von den weißrussischen Behörden fordern. Die Beziehungen zwischen Tschechien und Weißrussland sind dabei seit längerem angespannt. Im Februar wurde im weißrussischen Fernsehen eine Reportage ausgestrahlt, in der der tschechischen diplomatischen Vertretung in Minsk vorgeworfen wurde, "Agitationsmaterial unter Extremisten" zu verbreiten und sich in die inneren Angelegenheiten Weißrusslands einzumischen. (APA)

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