Gute Nacht Fußball-Österreich!

28. März 2006, 11:23
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Perfekt inszeniertes Kasperltheater rund um das Match zwischen Red Bull Salzburg und Austria Magna - ein Komment@r

Wir leben im Kommunikations-Zeitalter und Experten sprechen gerne von Professionalität im Spitzensport. So weit so gut. Unterhaltungen führen fast zwangsläufig zu Missverständnissen und verschiedenen Interpretationen. Doch was sich letzten Sonntag im Rahmen des Topspiels der Österreichischen Bundesliga zwischen Red Bull Salzburg und Austria Magna abgespielt hat, hat nicht viel mit Professionalität zu tun. Die anschließenden Interviews dienten mehr der Verschleierung, denn der Aufklärung der verstrickten Sachlage.

Schiedsrichter Drabek im Mittelpunkt

Einer der angeblich besten Schiedsrichter des Landes, Herr Drabek, hie und da auch schon bei anderen Klassespielen im Mittelpunkt, hatte in getreuer Ausübung seiner Schiri-Pflichten dem Salzburger Pöllhuber wegen unerlaubten Tragens eines schmucken Gummi-Armbandes die Gelbe Karte gezeigt. Austria-Jungspund Linz hatte er aufgefordert, seine Schmuckstücke noch vor Beginn der Partie abzulegen. Der Austrianer jedoch widersetzte sich den Anweisungen des "Ordnungshüters" und war auch nach einer weiteren Aufforderung noch nicht einsichtig. Erst als ein Salzburger mit Gelb verwarnt wurde, erkannte der Jungsturm die Gefahr, lief zur Coaching-Zone, gab angeblich ein gefundenes Gummiband, oder auch ein geflochtenes und selbst getragenes Lederarmband, vielleicht auch Münzen,... bei seinem Trainer Schinkels ab und sah wenig später die Gelb-Rote.

Was sich in der Folge abspielte, verärgerte die einen, belustigte die anderen. Fakt allerdings ist, dass es zu lächerlichen Entscheidungen kam, die nicht zuletzt auch den Meisterschaftsausgang beeinflussen.

Kommunikation mit Schwierigkeiten

Hatte der vierte Schiedsrichter noch wegen unerlaubten Verlassens des Spielfeldes eine Bestrafung für Linz gefordert, möglicherweise auch Zurufe von der Bullenbank den Schiedsrichter zum Handeln animiert, so war es für Drabek einfach an der Zeit, den sich ohnehin schon zweimal seinen Anweisungen widersetzenden Stürmer abzumahnen. Jene 50 Prozent des österreichischen Traumsturms, um den uns einmal ganz Europa beneiden wird, mussten das Spielfeld verlassen. Trainer Schinkels wollte nach dem Spiel nicht mehr ganz genau wissen, was er von seinem Schützling eigentlich bekommen hatte, Drabek berief sich auf die klaren Anweisungen aus dem Schiedsrichter-Regelbuch nach dem das Tragen jeglichen Schmuckes nicht gestattet ist, der verständnislose aber stolze Rotsünder verweigerte im Stile eines Politikprofis gleich jeglichen Kommentar, die sportlichen Aspekte des Topspiels, sofern überhaupt vorhanden, wurden in den Hintergrund gedrängt.

Immerhin wurde der Einspruch der Austria gegen die Wertung der 0:3-Niederlage am Montag vom Strafsenat abgelehnt und das Resultat beglaubigt. Neben der Einstellung des Verfahrens wurde aber auch die zweite Gelbe Karte gegen Roland Linz kurioserweise mangels an Beweisen gestrichen, womit der Austria-Stürmer beim erneuten Aufeinandertreffen der beiden Teams am Sonntag wieder einsatzberechtigt ist.

"Interessenskollision"

Die Salzburger "Dosen" waren ob der "zurückgenommenen Tatsachenentscheidung" naturgemäß nicht sonderlich angetan und bemerkten spitzfindig auch eine "Interessenskollision" in der Person von Markus Kraetschmer, der als Austria-Manager und Bundesliga-Aufsichtsrat fungiert, verzichten aber auf jegliche Proteste, denn dies würde dem "Ansehen des Sports und des Fußballs im Speziellen schaden."

Was für das an Fußball-Erfolgen ohnehin so arme Land Österreich bleibt, ist nicht ein Anzeichen zum längst erhofften, erwünschten, erträumten Aufbruch in eine bessere Zukunft, sondern ein weiterer, vielleicht auch relativ unbedeutender Skandal, der aber an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist.

Österreichs "Operettenliga" ist um ein weiteres unsportliches Kapitel reicher. Unnachvollziehbare Aktionen wie die von Linz, Drabek und obendrein des Strafsenats sind einmal mehr deutlicher Beweis für mangelnden Professionalismus in den heimischen Stadien und geben Anlass zur Sorge, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit auch weiterhin Zukunftsmusik bleiben wird. (Thomas Hirner)

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