"Press Freedom Award" 2005 verliehen

21. März 2006, 18:25
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"Reporter ohne Grenzen" vergibt Auszeichnung für Journalisten aus der Türkei und Zypern

"Reporter ohne Grenzen" (RSF) Österreich hat am Montagabend in Wien die jährlich vergebene Auszeichnung "Press Freedom Award 2005 - Signal für Europa" an drei Journalisten aus Zypern und der Türkei für deren "mutigen, investigativen und objektiven" Journalismus verliehen. Preisträger sind die türkisch-zypriotische Journalistin und Friedensaktivistin Sevgül Uludag, der griechisch-zypriotische Autor und Journalist Makarios Drousiotis sowie die türkische Journalistin Demet Ergün. Der ehemalige Medienbeauftragte der OSZE, Freimut Duve, erklärte anlässlich der Preisverleihung, die drei hätten ihre Solidarität über die Grenzen hinaus bewiesen und von ihrem "professionellen Blick Gebrauch gemacht, um unseren Blick für die Welt zu schärfen."

An Verbrechen erinnnern

Uladag und Drousiotis hätten die Auszeichnung dafür erhalten, an vor 50 Jahren in Zypern begangene Verbrechen erinnert zu haben, so Duve. Die beiden Journalisten würden zurecht darauf hinweisen, dass es ohne Aufarbeitung der Vergangenheit keine friedliche gemeinsame Zukunft gebe. Duve kritisierte bei dieser Gelegenheit, dass "befreundete Länder" wie Frankreich, Großbritannien und die USA nicht im notwendigen Ausmaß an ihre Verbrechen erinnern würden, auch wenn diese mit jenen Deutschlands nicht vergleichbar seien. "Jede Demokratie hat die Verpflichtung, sich ihrer Verbrechen zu erinnern."

Ergün habe ihre Berichterstattung auf das Schicksal von misshandelten Frauen in der Türkei gerichtet und die Möglichkeit, in Frauenhäuser in Istanbul Hilfe zu erhalten, so das Jurymitglied Duve. Doch niemand solle sagen, häusliche Gewalt gebe es nur in der Türkei, diese gebe es auch im Westen. Männliche Brutalität habe nichts mit Kultur zu tun. In der Türkei finde ein "unglaublicher Missbrauch der Geschichte des Islam" statt, doch männliche Gewalt habe "nichts mit der wirklichen Geschichte des Islam zu tun".

Grenzen zwischen Journalismus und Werbejournalistik verschwimmen

Ohne verantwortungsvolle Journalisten habe Demokratie keine Zukunft, mahnte Duve. Er kritisierte die zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen dem Journalismus und der Werbejournalistik in unserer Gesellschaft. "Das ist dramatisch und betrifft uns alle". Kritische Worte fand der ehemalige OSZE-Mediensprecher erneut für die Medienkonzentration in Russland und Italien.

"Reporter ohne Grenzen" verleiht seit vier Jahren den Press Freedom Award "Signal für Europa" dank der Unterstützung der OMV an Journalisten innerhalb und aus dem Umfeld Europas, sagte die Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, Rubina Möhring. Dienen soll dieser Preis, der vor allem jüngeren Reportern gewidmet ist, der nicht immer leicht zu lebenden Zivilcourage. 2003 erhielten Journalisten aus Ex-Jugoslawien den Preis, 2004 aus Rumänien, Moldawien und der Ukraine. (APA)

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