Prozess um Babymorde in Graz hat begonnen

21. März 2006, 19:18
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Eröffnungsplädoyers und Einvernahme der Angeklagten - Verhandlung auf sieben Tage anberaumt - Großes Medien- und Zuschauerinteresse

Im Grazer Straflandesgericht hat am Dienstag ein Geschworenen-Prozess (Richter: Karl Buchgraber) um fünf tote Babys begonnen. Eine Grazerin wird beschuldigt, die Kinder jeweils nach der Geburt umgebracht zu haben. Sie muss sich in vier Fällen wegen Mordes sowie in einem Fall wegen Tötung nach der Geburt verantworten. Ihr Freund, der jedes Mitwissen bisher abstritt, ist wegen vierfachen Mordes angeklagt.

Im Sommer 20005 hatte der Fall für sehr viel Aufsehen gesorgt, als in Graz-Gösting vier Babyleichen auftauchten. Gertraud A. (33) wird beschuldigt, diese Kinder sowie ein fünftes, dessen Leiche nicht gefunden wurde, nach der Geburt getötet zu haben. Anschließend soll sie zwei Babys in Malerkübeln einbetoniert und zwei in die Tiefkühltruhe gelegt haben.

"Eisige Konsequenz"

"Es waren logische, mit eisiger Konsequenz durchgeführte Handlungen", stellte Staatsanwalt Johannes Winklhofer in seinem Eröffnungsplädoyer fest. Er betonte, dass Gertraud A. in allen Fällen offenbar schon lange vor der Geburt vorgehabt habe, die Babys zu töten, da sie ihren Freund nicht verlieren wollte. Ihr Lebensgefährte, der bis heute noch mit einer anderen Frau verheiratet ist, hatte - so der Staatsanwalt - immer gedroht: "Wenn Du ein Kind bekommst, kannst Dich schleichen." Den Angaben des mitangeklagten Freundes schenkte der Staatsanwalt keinen Glauben. "Der Mann, mit dem sie dauernd ins Bett geht, will nichts bemerkt haben?", zweifelte er. Für ihn sei Johannes G. "genauso ein Mörder wie sie".

Psychischer Ausnahmezustand"

"Meine Mandantin hat furchtbare Dinge getan, aber sie ist keine gefühlskalte, grausame Mörderin", sagte der Verteidiger von Gertraud A., Andreas Berchtold. Sie habe sich bei den Geburten in einem "psychischen Ausnahmezustand" befunden. Sie erinnere sich an Vorgänge in ihrem Körper, habe die Schwangerschaften aber "von der Psyche her verdrängt".

Der mitangeklagte Lebensgefährte Johannes G. (39) wurde von seinem Verteidiger Kurt Klein als "liebevoller fürsorglicher Vater" beschrieben. Es gebe kein Beweisergebnis, dass dafür spräche, dass er von den Schwangerschaften gewusst habe. "Wenn sogar Ärzte getäuscht werden können, warum dann nicht auch er?", so Klein. Das Phänomen der verdrängten Schwangerschaft sei weit verbreitet.

"Ich fühle mich schuldig, meine vier Kinder getötet zu haben", flüsterte die Angeklagte zu Beginn ihrer Einvernahme unter Tränen. Dann ergänzte sie: "Es war aber nicht bewusst. Jede Minute denke ich daran, wie das passieren konnte." Sie gab an, die Schwangerschaften zwar bemerkt zu haben, sich an die Geburten jedoch kaum erinnern zu können. Außerdem habe sie mit dem Gedanken gespielt, die Kinder in die Babyklappe zu legen.

Die Verhandlung wird am Mittwoch mit der Einvernahme von Johannes G. fortgesetzt. Der Prozess ist insgesamt auf sieben Tage anberaumt. (aPA)

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