Stadtmuseum: Angeblicher Exponate-Verkauf beschäftigt Gericht

30. März 2006, 17:50
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Kulturstadtrat Miedl vermutet Intrige gegen neuen Leiter: "Werde dem Treiben nicht länger zusehen"

Graz - Die Auseinandersetzungen um das Grazer Stadtmuseum könnten jetzt ein Fall für das Gericht werden. Nachdem angeblich wertvolle Exponate verschwunden sind oder verkauft wurden, schaltete Kulturstadtrat Werner Miedl (V) die Staatsanwaltschaft ein. Er schließt nicht aus, dass es sich um gezielte Aktionen handelt, die dem Stadtmuseum-Chef Otto Hochreiter schaden sollen: "Ich werde dem Treiben nicht länger zusehen", so Miedl im APA-Gespräch.

Hochreiter führte zunächst eine Evaluierung im Stadtmuseum durch, deren Ergebnis die Ausgliederung und Neustrukturierung war. Der damalige Chef Gerhard Dienes wurde beurlaubt, die Stelle wurde im Rahmen der neuen GesmbH ausgeschrieben. Dass dann 2005 ausgerechnet Hochreiter zum Zug kam, fand nicht ungeteilten Beifall. Der damalige Kulturstadtrat Christian Buchmann (V) war ein Befürworter der neuen Leitung. Sein Nachfolger, Werner Miedl, will Hochreiter ebenfalls unterstützen.

Was Miedl hingegen "nicht länger dulden" werde, sind die "permanenten Querschüsse des Aufsichtsrats in der Öffentlichkeit", die gegen Hochreiter gerichtet seien. "Falls das weiter geht, werde ich das über das Gericht abstellen", so der Stadtrat. Er wolle dem Museum Ressourcen zur Verfügung stellen, damit in Ruhe gearbeitet werden kann. "Wer dazwischenfunkt, wird mich kennen lernen", äußerte sich Miedl unmissverständlich.

Mögliche Standorte von "verschwundenen" Exponaten müssen überprüft werden

Derzeit ist man im Stadtmuseum noch mit der Inventarisierung beschäftigt, mögliche Standorte von "verschwundenen" Exponaten müssen überprüft werden. Der Verkauf von einigen angeblich wertvollen Exponaten könne eine "geplante Aktion" von Gegnern Hochreiters gewesen sein, bei der absichtlich wertvolle Dinge unter museal wertlose gemischt worden sein könnten. Dass weniger wichtige Stücke aus dem Bestand veräußert würden, passiere immer wieder und sei nicht unüblich, so Miedl.

"Zur Klärung dieser Dinge habe ich eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt, die wird sich jetzt darum kümmern", erklärte der Kulturstadtrat. In Bezug auf die finanziellen Mittel geht es dem Museum derzeit recht gut. Wegen der zusätzlichen Arbeit wurde das Budget wieder auf knapp 1,4 Millionen Euro angehoben, nachdem es für 2006 auf 1,1 Million gekürzt worden war. Nach fast einjähriger Schließzeit wird das Stadtmuseum mit der aus eigenen Beständen beschickten Gemäldeausstellung "Kunstdepot" am 27. April wieder geöffnet. (APA)

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