Drama einer ungehörigen Liebe

20. März 2006, 20:55
posten

Gerhart Hauptmanns Gesellschaftsdrama "Vor Sonnenuntergang" thematisiert den politischen Paradigmenwechsel im Deutschland der Dreißiger Jahre - Kammerspiele Innsbruck

Vor dem Hintergrund eigener Emotionen und Erfahrungen aus dem Freundeskreis schrieb der 70-jährige Gerhart Hauptmann Vor Sonnenuntergang, das Drama einer ungehörigen Liebe. Der Verleger Clausen, Schöngeist, Unternehmer, Vater und Großvater, schöpft nach dem Tod seiner Frau Lebenskraft aus der Beziehung zur jungen Kindergärtnerin Inken. 1932 uraufgeführt thematisiert das Gesellschaftsdrama den politischen Paradigmenwechsel in Deutschland.

Den Wertewandel zeigt Regisseurin Brigitte Fassbaender am Atmosphärischen. Julia Burde hat dafür einen symbolischen Raum in eleganten Grautönen geschaffen, der Enge und Weite sichtbar macht, melancholische Cellomusik erklingt. In den Mittelpunkt ihres so konzisen wie subtilen Regiekonzepts rückt die Intendantin das Aufblühen dieser Liebe, die dem Publikum den Atem anhalten lässt. Stark und glasklar ist Sinikka Schuberts Inken, mit Eleganz und Humor füllt Günther Gräfenberg die Figur des Verlegers aus. Ein beeindruckendes Ensemble lässt Hauptmanns Sprache in all ihrer Ironie und feinen Manieriertheit erklingen. (frak/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.03.2006)

Kammerspiele, Landestheater Innsbruck
0512/520 74-4
20 Uhr
  • Es darf nicht sein: Matthias Clausen (Günter Gräfenberg) und Inken Peters (Sinikka Schubert) als Paar.
    foto: kammerspiele innsbruck / larl

    Es darf nicht sein: Matthias Clausen (Günter Gräfenberg) und Inken Peters (Sinikka Schubert) als Paar.

Share if you care.