Microsoft zeigt Internetbetrüger aus Österreich an

15. Mai 2006, 17:29
40 Postings

Straflandesgericht Wien prüft einen der angeblich 50 größten "Phishing"-Betrugsfälle in Europa - Experte empfiehlt: Mails löschen - Banken verlangen niemals Kundendaten via Internet

Der weltgrößte Computerkonzern Microsoft hat einen groß angelegten Internet-Betrug in Österreich ausfindig gemacht. Über einen heimischen Betreiber von Internet-Seiten (im Fach-Jargon Web-Hosting-Anbieter genannt) soll einer der 50 größten Betrugsfälle in Europa im Bereich des so genannten "Password Fishings" abgewickelt worden sein, gegen die der Konzern nun Anzeige erstattet hat. 50 weitere Anzeigen würden noch folgen, kündigte Neil Holloway, Microsoft-Präsident für den Raum Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA), bei einer Konferenz in Brüssel an.

"Password Fishings"

Beim "Password Fishings" - kurz "Phishing" - versenden die Betrüger E-Mails, in denen sie den Internetnutzer auffordern, auf gefälschten Internetseiten von Banken, Internethändlern oder Fluglinien die Benutzerdaten zu aktualisieren. Danach verwenden die Betrüger die Zugangsdaten, um Konten zu plündern, um mit falscher Identität Geld zu waschen oder Terrorismus-Aktivitäten zu finanzieren, erklärte Bernhard Otupal von Interpol. Laut Kurt Einzinger, Chef der Vereinigung österreichischer Internetanbieter ISPA, ist Phishing binnen kürzester Zeit zum beinahe häufigsten Verbrechen im Internet aufgestiegen.

Keine Namen

Wer hinter dem neuen österreichischen Fall steht, ist noch nicht bekannt. Microsoft wollte sich weder zum Namen Web-Hosting-Anbieters äußern, gegen den rechtliche Schritte eingeleitet worden sind, noch zur Dimension des Falles. Nur so viel: Der Anbieter habe angedeutet, dass der Auftrag aus Nordamerika gekommen sei. Der Fall ist beim Straflandesgericht Wien anhängig.

Erst vergangene Woche hatte die Polizei in Wien eine internationalen "Phishing"-Bande ausgeforscht, die weltweit 234.000 Euro erbeutet hat. Mit dem nun von Microsoft angezeigten Fall soll dieser Fahndungserfolg aber nichts zu tun haben.

Schaden von 300.000 bis 400.000 Euro

Die ISPA schätzt, dass Internetnutzer in Österreich bereits einen Schaden von 300.000 bis 400.000 Euro erlitten haben. Dabei sind Österreichs Banken erst im Herbst des Vorjahres erstmals Ziele derartiger Attacken geworden. Allein an einem Tag habe die ISPA im Dezember in Österreich 1.300 Phishing-Mails abgefangen - Tendenz stark steigend, sagte ISPA-Chef Kurt Eizinger. Wie viele Phishing-Mails von den Filtern nicht erfasst worden seien, lasse sich kaum abschätzen. Weltweit soll es allein im zweiten Halbjahr 2005 rund 1,5 Milliarden Phishing-Attacken gegeben haben, ein Anstieg um 44 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr.

Die meisten Attacken in Österreich kommen aus dem Ausland. Das Internet kenne keine Grenzen. Täter würden sich gezielt dort niederlassen, wo die Gesetze am schwächsten seien, sagte Interpol-Ermittler Otupal. Rund die Hälfte der Phishing-Seiten werden in den USA betrieben, in Europa liegen die meisten Phishing-Web-Sites in Rumänien.

Mails löschen

Der Interpol-Experte empfiehlt, derartige Mails einfach zu löschen. Banken oder andere Internet-Unternehmen würden niemals via E-Mail zur Eingabe privater Daten auf einer Internet-Seite auffordern - erst recht nicht in Verbindung mit einem Benutzernamen oder Passwort.

Initiative zum Kampf gegen Phishing

Die jetzige Klagswelle von Microsoft ist Teil einer weltweiten Initiative zum Kampf gegen Phishing, bei dem der Konzern mit Interpol zusammenarbeitet. Microsoft habe eine Reihe von Kundenbeschwerden erhalten bzw. sei in eigen Spam-Filtern auf Phishing-Attacken gestoßen und diesen dann gezielt nachgangen, sagte Andreas Ebert, Technik-Chef für Zentral- und Südeuropa. Microsoft wolle damit nicht demonstrieren, dass man als Software-Riese alleine das Problem könne. Es gehe vielmehr darum, das Bewusstsein der Kunden zu steigern. (APA)

  • Artikelbild
Share if you care.