Willkommen bei der Dokumentale

20. März 2006, 17:10
posten

Austro-Kinohoffnungen in Zeiten des ORF-Objektivitätsgebots

Es war schon in den vergangenen Jahren kein Geheimnis, dass der heimische Dokumentarfilm kontinuierlich zu den treibenden Kräften der heimischen Kino- und TV-Szene zählt. Dass er eine Welthaltigkeit und -anschauung vermittelt, denen sich der österreichische Spielfilm, von diversen TV- Fiktionen ganz zu schweigen – meist nicht stellt. Und dass er – last, but not least und wie zuletzt die Erfolge von Hubert Saupers "Darwin's Nightmare" und Erwin Wagenhofers "We feed the world" zeigten – durchaus größere Publikumspotenziale hätte, als etwa der ORF anzuerkennen bereit ist.

Immer wieder schiebt man am Küniglberg interessante Dokumentationen in die Spätnachtschiene ab. Oder man beruft sich, wenn's politisch etwas unbequemer wird – siehe "Artikel 7, unser Recht" – auf das Objektivitätsgebot. Auf die Diskussion "Der österreichische Film und der ORF" im Festivalzentrum im Kunsthaus Graz (am Donnerstag um 14 Uhr) darf man denn auch besonders gespannt sein.

Die diesjährige Diagonale wird von 21. bis 26. März in Graz die Möglichkeit geben, zu sehen und zu diskutieren, wie viel Subjektivität sich die heimische Öffentlichkeit leisten sollte. Weniger um einen dumpfen Wir sind-eigentlich-super-Patriotismus abzufeiern, als vielmehr auch bei erfolgreichen Produktionen Haltungen und Erzählweisen kritisch zu hinterfragen.

Dass auch in diesem 'DiagonaleStandard' die Verweise auf Dokumentarfilme in der Überzahl sind, ist kein Zufall: Gerade in diesem Genre tut sich, vielleicht auch als Reaktion auf Mangelerscheinungen im TV, derzeit jede Menge. Es steht zu hoffen, dass diese Vielfalt in Graz erneut ihr Publikum findet. Die Berichte und Tipps auf diesen Seiten mögen mithelfen, dass gerade an den Rändern der Diagonale 06 heftig geforscht wird. (cp /DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2006)

  • "We feed the world"
    foto: diagonale

    "We feed the world"

Share if you care.