Erweiterung bringt Österreich unter EU-Top 3

20. März 2006, 17:31
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Österreich hat im vergangenen Jahr den Sprung unter die drei wettbewerbsfähigsten EU-Länder geschafft - Polen ist Schlusslicht

Brüssel - Österreich ist bei der Umsetzung der EU-Wachstums- und Beschäftigungsziele - besser bekannt unter dem Namen "Lissabon-Strategie" - unter die Top 3 Europas aufgestiegen.

Öffnung des Arbeitsmarktes bleibt problematisch

Durch die EU-Erweiterung habe Österreich weiter an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen und sei dadurch im Ranking 2005 von Platz Vier auf Platz Drei hinter Dänemark und Schweden vorgerückt, sagte Katinka Barysch, Chefvolkswirten des Londoner "Centre for European Reform" (CER), das die Studie erstellt hat, am Dienstag. Auf die Öffnung des Arbeitsmarktes für die Bürger der neuen Mitgliedstaaten müsse sich Österreich aber noch vorbereiten.

Laut den Daten des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo soll die österreichische Wirtschaft heuer um 2,4 Prozent wachsen, nach 1,9 Prozent 2005. Im EU-Schnitt dagegen rechnet man 2006 nur mit 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum, nach 1,7 Prozent im Vorjahr. Umso verwunderlicher bezeichnete die Expertin angesichts dessen "die feindliche Haltung in Österreich gegen die Erweiterung.

Tristesse am Jobmarkt

Dass Österreich eines der wenigen Länder ist, in dem sich trotzdem die Situation am Arbeitsmarkt verschlechtert hat, führt sie auf die bisher sehr geringe Arbeitslosigkeit und auf einen europäischen Trend zurück. Auch in Schweden und Großbritannien, wo die Arbeitslosenquote ähnlich niedrig liege wie in Österreich, sei die Zahl der Jobsuchenden zuletzt gestiegen. Hier erlebe man eine gewisse Angleichungstendenz in der EU, so die Barysch.

Für die Verlängerung der Übergangsfristen am Arbeitsmarkt zeigt sie deshalb Verständnis. Allerdings werde das Einkommensniveau in einigen der neuen Staaten auch nach Ablauf der Fristen 2009 oder spätesten 2011 immer noch bei einem Viertel des österreichischen Niveaus liegen. Österreich müsse deshalb in Zukunft am Arbeitsmarkt flexibler werden und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, fordert die Expertin.

Gute Noten erhält Österreich vor allem für seine Arbeitsmarkt- und Sozialreformen, in den Kategorien Frauenbeschäftigung, für die geringe Zahl an Schulabbrechern und für die Fortschritte in der Energieeffizienz. Im Forderfeld liegt die Alpenrepublik zudem in den Lissabon-Disziplinen Wohlstand, Produktivität und Langzeitarbeitslosigkeit, im Mittelfeld dagegen nur bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Aufholbedarf bei Beschäftigung älterer Menschen

Aufholbedarf ortet das Londoner Institut außerdem bei der Beschäftigung älterer Arbeitskräfte. Im Bereich der Analphabeten habe sich die Situation verschlechtert und auch bei der Akademiker-Quote liege Österreich im Hinterfeld. Defizite sieht das Experten-Center außerdem in der Kioto-Strategie zur Eindämmung der Treibhausgase. Nachdem die Abgase seit 1990 um rund ein Fünftel gestiegen seien, habe Österreich nur noch wenig Chancen seine Kyoto-Ziele zu erreichen.

Insgesamt hat Europa 2005 den Fitness-Test im Auftrag der EU-Kommission nicht bestanden. Zur Erreichung der im Jahr 2000 gestarteten Lissabon-Ziele fehlten rund 20 Millionen Jobs, der Rückstand zu den globalen Mitbewerbern USA und Asien wachse ständig, statt zu schrumpfen. Dennoch gibt es Bewegung: "Zusätzlicher Wettbewerb durch die neuen Mitgliedsstaaten hat den großen Kern-Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien ordentlich eingeheizt. Langsam aber stetig bewegt sich die EU bei der Lissabon-Strategie in die richtige Richtung", heißt es in der CER-Studie.

Besonders schlecht abgeschnitten hat dagegen in der Analyse Polen. Mit einer Beschäftigungsquote von lediglich 52 Prozent, rückläufigen Auslandsinvestitionen und angesichts der politischen Konstellation geringen Aussichten auf eine Verbesserung der Lage übernahm Polen gemeinsam mit Malta 2005 von Italien das Schlusslicht in dem EU-Ranking. (APA)

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