"Sakrileg"-Prozess: Kläger kritisieren Aussagen Browns

21. März 2006, 19:11
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Anwalt bemängelte dass Dan Browns Frau nicht in den Zeugenstand gerufen wurde - Österreich-Start der Verfilmung von Prozess-Ausgang nicht betroffen

London - Im Plagiatsprozess gegen den Verlag von Bestseller-Autor Dan Brown hat der Anwalt der Kläger die Zeugenaussage Browns scharf kritisiert. Dessen Angaben sollten "mit tiefem Argwohn" zur Kenntnis genommen werden, sagte Anwalt Jonathan Rayner James am Montag in seinem Schlussplädoyer. Er zeigte sich außerdem verwundert darüber, dass Browns Frau Blythe nicht in den Zeugenstand gerufen wurde, die einen Großteil der Informationen für den Thriller "Sakrileg" recherchiert hat.

Weil seine Frau die Grundlagen für sein Buch zur Verfügung gestellt hatte, habe Brown möglicherweise unabsichtlich Ideen aus dem 1982 erschienen Sachbuch "Der heilige Gral und seine Erben" übernommen, sagte Rayner James. Die Zeugenaussage von Blythe Brown wären von "fundamentaler Wichtigkeit" für den Prozess gewesen. Sie hätte konkrete Angaben dazu machen können, inwieweit das 2003 veröffentlichte "Sakrileg" tatsächlich auf dem Sachbuch der beiden klagenden Autoren Michael Baigent und Richard Leigh beruhe.

38 weitere Dokumente eingeflossen

Brown hat bestätigt, dass er und Blythe vor der Arbeit an "Sakrileg" auch "Der heilige Gral und seine Erben" gelesen haben. In sein Werk seien darüber hinaus jedoch Informationen aus 38 weiteren Büchern und hunderten von Dokumenten eingeflossen. Die Verteidigung hat angeführt, dass die in "Sakrileg" verwendeten Ideen über das Leben von Jesus Christus so allgemein seien, dass sie nicht gesetzlich geschützt werden könnten.

In "Sakrileg" und "Der heilige Gral und seine Erben" geht es um die Theorie, dass Jesus Christus Maria Magdalena heiratete und mit ihr ein Kind bekam. In dem Sachbuch heißt es, Jesus sei möglicherweise nicht am Kreuz gestorben, sondern habe den Rest seines Lebens in Frankreich verbracht.

Kläger streben Millionenentschädigung an

Mit dem Aufsehen erregenden Prozess streben der Neuseeländer Michael Baigent und der Amerikaner Richard Leigh eine Millionenentschädigung an. Brown sagte in dem Prozess nur als Zeuge aus. Die Klage richtet sich gegen seinen Verlag Random House, in dem auch "The Holy Blood And The Holy Grail" von Baigent und Leigh erschienen ist, wie das Sachbuch im Original heißt. Seit Beginn des Prozesses, der weltweit Beachtung findet, sind die Auflagen beider Titel gestiegen. Vom "Sakrileg" wurden weltweit bereits mehr als 40 Millionen Exemplare verkauft.

Sollten Baigent und Leigh gegen den Verlag Random House eine einstweilige Verfügung gegen die Verwendung ihres Materials erreichen, könnten der Weiterverkauf des Brown-Buches und auch der Start der Hollywood-Verfilmung unter dem Originaltitel "The Da Vinci Code" im Vereinigten Königreich gefährdet sein. Die Weltpremiere beim Filmfestival in Cannes Mitte Mai wäre nicht betroffen. Auch der österreichische Filmstart (19. Mai) ist laut Auskunft des Verleihers Sony Pictures zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vom Prozessausgang betroffen. (APA/AP)

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