"Und, wollen Sie einmal Kinder haben?"

20. März 2006, 20:23
10 Postings

Island zeigt vor, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktionieren kann

Wien - Ein junger Mann bei einem Vorstellungsgespräch in Reykjavík. Der Arbeitgeber fragt ihn: "Und, wollen Sie einmal Kinder haben?"

Seit der neuen Karenzregelung aus dem Jahr 2001 ist das keine Seltenheit in Island, berichtet Ingolfur Gisláson, der Leiter des Centers für Gender Equality in Reykjavík. Neben geschlechtergerechter Diskriminierung beschert das isländische "3+3+3-Modell" dem Land eine der höchsten Frauenbeschäftigungsquoten (78 Prozent) sowie eine Steigerung der Fertilitätsrate (von 1,93 auf 2,03 Prozent).

3 plus 3 plus 3

Was wäre also, wenn der oben erwähnte junge Mann plant, mit seiner Partnerin Kinder zu bekommen? Dann übernimmt drei Monate lang er die Kinderbetreuung, drei Monate die Mutter - und weitere drei Monate können nach Belieben unter beiden Elternteilen aufgeteilt werden. Die Karenzzeiten des Vaters können (außer im Todesfall) nicht von der Mutter übernommen werden; bei Nicht-Inanspruchnahme entfallen die für den Vater "reservierten" drei Monate. Zudem beträgt das Karenzgeld in Island rund 80 Prozent des Letztbezuges.

Das Resultat: Rund 80 Prozent der isländischen Männer gehen in Karenz, während in Österreich bereits ein Anstieg auf 3,2 Prozent bejubelt wird.

Damit das nicht so bleibt, hat die Initiative abz.austria die Entwicklungspartnerschaft "Karenz und Karriere" ins Leben gerufen. Deklariertes Ziel ist es, das Thema "Vereinbarkeit" von der individuellen Ebene auf die Strukturebene zu bringen. Denn besonders unter jungen Vätern lasse sich ein zunehmendes Interesse an der Kinderbetreuung feststellen - ohne entsprechende Rahmenbedingungen würden deren Anstrengungen allerdings Gefahr laufen, als "Einzelphänomene" sich selbst überlassen zu bleiben.

ABZ-Geschäftsführerin Manuela Vollmann skizzierte bei einer Veranstaltung zum Thema einige Notwendigkeiten, die es Männern ermöglichen würden, "aktive Väter" zu sein. Und die Kinder damit nicht mehr zum "Karrierestörfaktor" für Frauen machen.

So seien etwa die kinderbedingten "Auszeiten" kurz zu halten - maximal eineinhalb Jahre für beide Elternteile. Vollmann plädierte zudem für ein einkommensabhängiges Karenzgeld (mit Unter- und Obergrenzen). Zudem müsse es ab dem ersten Geburtstag des Kindes das Recht auf einen "qualitativen, leistbaren" Kinderbetreuungsplatz geben.

Die finanziellen Investitionen machen sich laut Island-Experte Gisláson langfristig bezahlt: So hänge etwa auch die Entscheidung darüber, ob eine Frau ein zweites oder drittes Kind bekommt, wesentlich davon ab, wie weit sie nach der ersten Geburt auf die Unterstützung des Mannes zählen konnte. (kmo, DER STANDARD, Print, 21.3.2006)

Share if you care.