Bester Saisonstart für Renault

28. März 2006, 11:38
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Beide "heißen" Saisonrennen gewonnen, Führung in Fahrer- und Team-WM - Heftige McLaren-Kritik an Klien

Kuala Lumpur - Nach den ersten zwei von 18 Formel-1-Rennen scheint auch die WM 2006 zu einem Durchmarsch für Renault zu werden. Das Weltmeister-Team gewann sowohl in Bahrain (Fernando Alonso) als auch am Sonntag in Malaysia (Giancarlo Fisichella). Das ergibt vor dem Australien-GP in zwei Wochen in Melbourne die klare Führung in der Konstrukteurs- und der Fahrer-WM, in der Titelverteidiger Alonso schon sieben Punkte vor Michael Schumacher (Ferrari) und Jenson Button (Honda) liegt.

Beste Interpretation

Hatte man sich nach Bahrain noch auf einen bevorstehenden Vierkampf und mehr Spannung in der diesjährigen WM gefreut, zeichnet sich nun eher doch wieder ein Durchmarsch für die in England (Team) und Frankreich (Motor) beheimateten und von einem Italiener (Flavio Briatore) geführten Franzosen ab. "Wir haben die Regeländerungen offenbar am besten interpretiert", feixte Briatore in Sepang nach dem historischen zweiten Doppelsieg in der Geschichte als Hersteller. Nicht schlecht für ein Team, dessen Mutterunternehmen man nachsagt, per Jahresende aus der F1 aussteigen zu wollen.

Ferrari, McLaren, Honda und sogar Williams hatten sich nach Bahrain Hoffnungen gemacht, dem Champion den Kampf ansagen zu können. Doch wie es scheint, ist Renault trotz des kürzlich erfolgten Rücktrittes von Team-Direktor Patrick Faure der Konkurrenz schon wieder einen Schritt voraus. Und nach den beiden für Bridgestone eher günstigen "Hitzerennen" ist anzunehmen, dass die mit den japanischen Pneus fahrenden Konkurrenten, allen voran Ferrari, Williams und Toyota, bei den kommenden "kühleren" Rennen eher noch weiter zurückfallen.

Legendäre Blitzstarts

Das R26-Chassis von Renault ist ebenso stark wie der RS26-Motor und auch die fast schon legendären "Blitzstarts" haben die Blauen nach wie vor im Programm. Fisichella verteidigte in Sepang seine Pole problemlos, Alonso schoss mit einem vollen und superschweren Auto innerhalb von zwei Runden von sieben auf drei und ließ am Ende auch Button keine Chance.

Ohne den Fehler im Qualifying, als Alonsos Auto zweimal betankt wurde, wäre der spanische Weltmeister wohl erneut unschlagbar gewesen. "Aber nach zwei Rennen 18 von 20 Punkten, mehr hätte ich mir nicht wünschen können", gab sich der am Jahresende zu McLaren wechselnde Titelverteidiger versöhnlich.

Keine Teamorder gegen Ende

Alonso griff Fischella im Finish ebenso nicht mehr an wie Michael Schumacher seinen knapp vor ihm fahrenden Neo-Teamkollegen Felipe Masse und das erstaunte fast noch mehr. Der nun bei Honda gegen Button chancenlose Rubens Barrichello hatte jahrelang zurückstecken müssen, um Schumacher auch nur einen zusätzlichen Punkt zu verschaffen. Massa hatte offensichtlich keine diesbezüglichen Order, Schumacher offenbar auch kein Problem damit. Erstaunliche neue Ferrari-Welt.

Aber bei den "Roten" hat man derzeit ohnehin andere Sorgen. Alleine vier Motoren gingen nach dem Bahrain-GP kaputt, zudem sind die "flexiblen" Heck- und Frontflügel ins Visier der FIA-Kontrolleure geraten. In Melbourne (2. April) sind offenbar Änderungen notwendig, womöglich trifft das auch Motorenpartner Red Bull Racing (RBR). Nur zwei Teams beteiligten sich nicht am Protest gegen die Ferrari-Flügel, nämlich die beiden Schwesternteams RBR und Toro Rosso.

Heftige McLaren-Kritik an Red Bull

Red Bull brachte erstmals seit dem Ungarn-GP im Vorjahr kein Auto ins Ziel, sowohl Christian Klien als auch David Coultard schieden letztlich mit bedenklichen Hydraulik-Defekten aus. Was für Klien wenigstens ein kleiner "Trost" war, nachdem er Kimi Räikkönens McLaren und sich selbst schon in der vierten Runde aus dem Rennen befördert hatte. "Ein Rennunfall", verteidigte sich Klien. Dauer-Pechvogel Räikkönen sprach freilich von einem "fundamentalen Fehler von Christian", McLaren-Teacmehf Ron Dennis sogar von einem "selten dummen Manöver."

Red Bull-Berater Helmut Marko lobte trotzdem, obwohl Klien und Coulthard in den schnellsten Runden über eine Sekunde langsamer waren als die Ferrari. "Beide Autos und Fahrer waren top", so Marko.

Zu den nur drei Teams, die nach zwei Rennen noch ohne Punkte sind, gehört neben den Hinterbänklern Midland und Super Aguri auch Toro Rosso. In Abwesenheit von Mitbesitzer Gerhard Berger kämpfte man beim vor einer Woche selbst von führenden Konkurrenten noch als "Geheimfavorit" bezeichneten Minardi-Nachfolger mit Abstimmungsproblemen.

Schwerer Stand für Toro Rosso

Der Tiroler Teamchef Franz Tost gab deshalb nach Malaysia zu: "Wenn die anderen ihre Probleme aussortiert haben, wird es für uns heuer schwer werden, überhaupt in die Top-12 zu fahren. Wir müssen uns noch mehr anstrengen." Marko fand auch hier aufmunternde Worte für die sympathische Scuderia. "Gegenüber den Minardi-Zeiten hat es einen Quantensprung gegeben. Mit der Routine eines Gerhard Berger wird das Team noch schneller in die Gänge kommen als normal." (APA)

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