Linz-Ausschluss "völlig regelkonform"

24. März 2006, 09:28
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Schiedsrichter-Boss Hantschk stellt sich voll hinter Spielleiter Drabek - "Er hatte keinen Handlungsspielraum"

Salzburg - Die spielentscheidende Situation im Schlager der 27. Runde der T-Mobile Fußball-Bundesliga ist am Sonntag nicht etwa eines der drei durchaus sehenswerten Tore von Red Bull Salzburg beim 3:0 (1:0) gegen Tabellenführer FK Austria gewesen. Es war ein umstrittener Ausschluss gegen Austria-Stürmer Roland Linz, der sich beim Stand von 1:0 in der 28. Minute mit Gelb vorbelastet in der Coaching Zone eines Armbandes entledigt hatte.

Aktion naiv

Der ÖFB-Teamstürmer bestritt zwar vehement, seinem Trainer Frenkie Schinkels ein Schmuckstück übergeben zu haben. Nach heftiger Interventionen der Salzburger und nach Alarmierung durch den vierten Schiedsrichter, Oliver Drachta, schritt Referee Dietmar Drabek aber zur Tat - Gelb-Rot für Linz. "Er hat konsequent die Regeln ausgelegt. Er hatte keinen Handlungsspielraum", betonte Johann Hantschk, der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission, der selbst als Beobachter in Salzburg weilte.

Drabek hatte nur Augenblicke zuvor bereits den eingewechselten Salzburger Pöllhuber wegen des Tragens eines Gummibandes verwarnt und berief sich auf das FIFA-Regulativ. Laut Hantschk habe es sich bei Linz sogar um ein geflochtenes Lederarmband gehandelt. Der Stürmer war - etwas ungeschickt - zur Austria-Bank geeilt, um es abzugeben. "Die Aktion war naiv, aber der Ausschluss entscheidend", erkannte Schinkels. "Wenn solche Entscheidungen getroffen werden, dann wird die Meisterschaft wirklich noch einmal spannend."

ÖFB-Erläuterung der Regel

Hantschk verwies auf die Erläuterungen des ÖFB zu Regel 4 des Weltverbandes FIFA, die die Ausrüstung der Akteure regelt. Dort steht in Absatz 1 geschrieben: "Auch Gummi- und Lederbänder müssen abgenommen werden. Trägt ein Spieler trotzdem während des Spieles Schmuck und der Schiedsrichter stellt dies fest, wird der fehlbare Spieler in der nächsten Spielunterbrechung verwarnt und vom Spielfeld gewiesen, um diesen abzulegen."

Die Bestimmungen gelten seit Sommer 2005, für Unverständnis sorgten sie allemal. "Diese Regel ist zwar lächerlich, aber wenn es bei Pöllhuber geahndet wird, muss es auch bei Linz geahndet werden", erklärte ÖFB-Teamkapitän Andreas Ivanschitz, der zwei Salzburger Tore vorbereitete. Im Gegensatz zum Salzburg-Verteidiger war Linz allerdings vorbelastet. "Fingerspitzengefühl gibt es nicht", erinnerte Schiedsrichter-Boss Hantschk. "Alles lief völlig regelkonform."

Teamchef auch verwundert

Doch selbst bei ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger sorgte die Entscheidung, "die das Spiel zu Gunsten der Salzburger gedreht hat", für Verwunderung. "Diese Regel müsste überdacht bzw. konkretisiert werden. Schmuck ist nicht gleich Schmuck", meinte der Ex-Austrianer. Tatsächlich hält sich die Verletzungsgefahr mit Freundschaftsbändern in Grenzen. Die Austria überlegte vorerst sogar, gegen die Wertung des Spiels Protest einzulegen.

Salzburg-Trainer Kurt Jara wehrte sich dagegen, den Sieg seiner "Bullen" nur "an diesen Vorfällen festzumachen". Der Tiroler sprach von reiner Stimmungsmache der Austria vor dem Rückspiel am kommenden Sonntag in Wien. Vor dieser mit Spannung erwarteten Revanche fehlen den Salzburgern nur noch vier Punkte auf den Leader. "Für uns ist wichtig, dass wir den zweiten Platz jetzt einzementiert haben", betonte Jara. "Wir wollen vor allem die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation." (APA)

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    Roland Linz nach 28. Minuten am Weg in die Kabine.

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