Palästinenser liefern sich Gefechte

23. März 2006, 07:29
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Mitglieder der der Al-Aksa-Brigaden wollten ihre Aufnahme in die regulären Sicherheitsdienste erzwingen

Im Gazastreifen ist es zu den schwersten Kämpfen seit Monaten zwischen rivalisierenden Palästinensergruppen gekommen. Mit Waffengewalt wollen Männer der Al-Aksa-Brigaden ihre Aufnahme in die regulären Sicherheitsdienste erzwingen.

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Gaza-Stadt/Jerusalem - Geschossen wurde auch noch im Krankenhaus, als die ersten Verletzten zur Versorgung eintrafen. Mindestens sechs Palästinenser erlitten am Montag im Gazastreifen während einer der schwersten inneren Kämpfe seit Monaten Schusswunden. Begonnen hatten die Schusswechsel, als Männer der Al-Aksa-Brigaden, des bewaffneten Flügels der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, auf der Salah-al-Din-Straße, der Hauptroute durch den Gazastreifen, einen Polizeikonvoi abfingen.

Bewaffnete Angehörige der Brigaden drangen auch in die Büros der palästinensischen Ministerien für Äußeres und Finanzen in Gaza-Stadt ein. Zwei Zivilisten und ein bewaffneter Angreifer wurden dort bei Schusswechseln mit Polizisten verletzt. Vier waren es auf der Salah-al-Din-Straße. Mit ihren Überfällen wollten die Männer der Al-Aksa-Brigaden ihrer Forderung nach Arbeit Nachdruck verleihen und in die palästinensischen Sicherheitsdienste aufgenommen werden. Die Fatah war bei der Parlamentswahl im Jänner gegen die islamische Hamas unterlegen.

Übergang offen

Der designierte Premierminister Ismail Haniyeh hatte am Wochenende seine Ministerliste vorgelegt. Omar Abdel Razeq, der für das Finanzressort vorgesehen ist, äußerte sich am Montag optimistisch über eine Entspannung der Beziehungen zu Israel nach dem Amtsantritt. Beide Seiten hätten gemeinsame wirtschaftliche Interessen und sollten zusammenarbeiten, meinte Abdel Razeq. Am selben Tag öffnete Israel auch wieder den Übergang Karni in den Gazastreifen für den Transport von Nahrungsmitteln.

Besonderes Augenmerk bei der Hamas-Kabinettsliste verdienen dabei der designierte Außenminister Mahmud Zahar und der für das Innenressort vorgesehene Said Sayam, dem künftig die verschiedenen Sicherheitsdienste unterstellt wären. Zahar (61) gehört zu den Gründern der Hamas und ist einer ihrer einflussreichsten Führer im Gazastreifen. Als Hardliner und Vertreter des bewaffneten Kampfes war der in Gaza geborene Arzt 2003 Ziel eines Angriffs der israelischen Armee. Dem Bombardement seines Haus entkam er dabei unverletzt, sein Sohn Khaled wurde getötet.

Sayam (47) wiederum ist Mitglied des Hamas-Politbüros und gilt als sehr beliebt unter seinen Landsleuten. Der Lehrer, der erst spät seine politische Karriere begann, war ein Vertrauter des von Israel getöteten Hamas-Führers Scheich Yassin. (red, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 21.3.2006)

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    Palästinensische Polizisten flüchten in Deckung. Bei zwei Überfällen im Gazastreifen durch Militante der Al-Aksa-Brigaden wurden sechs Männer verletzt.

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