"Im Alltag unpraktikabel"

26. März 2006, 21:12
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Prognose für die Spitalspraxis von Herbert Watzke

"Der Vorstoß für die Errichtung einer verbindlichen Patientenverfügung bringt eine wichtige Diskussion in Gang. Das begrüßen wir. Es ist aber nur ein erster Schritt. Gerade für den schwer kranken Krebspatienten im Spital bleibt es weiter schwierig, eine verbindliche Verfügung zu erreichen."

Rechtsbeistand für Todkranke

"Häufig wird eine Patientenverfügung im medizinischen Alltag dann dringend gebraucht, wenn ein Patient im Spital in einem schweren, schon sehr weit fortgeschrittenen Krankheitsverlauf bestimmen will, dass lebensverlängernde Maßnahmen im Fall einer eintretenden Bewusstlosigkeit nicht mehr erfolgen dürfen. Um das verlässlich zu erreichen, braucht er neuerdings einen Anwalt, was völlig unpraktikabel ist."

Exakte Vorhersagen

"Die Schwierigkeit für Ärzte, die einen gesunden Menschen bei der Abfassung seiner Verfügungen unterstützen, wird sein, die ärztliche Handlung, die dieser - für den Fall, dass er bewusstlos sein sollte - ablehnt, und vor allem die allgemeine medizinische Situation, in der diese Ablehnung schlagend wird, gemeinsam mit ihm, genau und vor allem eindeutig zu definieren. Unklarheiten können nämlich dazu führen, dass die Verfügung vom dann handelnden Arzt entweder nicht oder nicht in dem vom Patienten beabsichtigten Sinn ausgeführt werden kann."

Was ist lebenswert?

"Der Fall Terry Schiavo hat unglaubliche Diskussionen ausgelöst. Jeder glaubte plötzlich zu wissen, wie es dieser Frau ging. Tatsache ist: Keiner von uns weiß es. Als Arzt bekommt man im Laufe seiner beruflichen Erfahrung Bedenken, ob ein gesunder Mensch überhaupt jemals einschätzen kann, was es heißen kann, ein lebenswertes Leben zu führen. Auch Todkranke kennen das Gefühl eines erfüllten Lebens." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 3. 2006)

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