Foto ohne Zahnderl

2. Mai 2006, 16:16
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Michaela R. ist beinahe Besitzerin eines Scheckkartenführer- scheins - Sie muss nur noch eine bürokratische Hürde nehmen

Michaela R. ist beinahe Besitzerin eines Scheckkartenführerscheins. Sie muss nur noch eine einzige bürokratische Hürde nehmen. Blenden wir uns in den entscheidenden Dialog mit der Verkehrsbeamtin der Bundespolizeidirektion ein.

Beamtin (B): "Und dann brauch i a Passbild." Antragstellerin (A): "Ja klar, bringe ich mit." B: "Aber wissen S' eh, das muss eines sein, auf dem S' nicht lachen." A (lacht): "Wie bitte?" B: "Ja, da dürfen S' nicht lachen, keine Zahnderl darf ma da sehen, der Mund muss geschlossen sein." A (bei offenem Mund): "Das ist aber nicht Ihr Ernst." B: "Oh ja, das steht im Gesetz." A: "Welche Bestimmung im Führerscheingesetz soll das sein?" B: "Des san unsere Richtlinien, wir ham an Folder kriegt, wo des drinnen steht." A: "Ich hab jetzt extra Passbilder machen lassen - wissen Sie, was das kostet, und jetzt brauche ich neue?" B: "Ja!" A: "Und Sie haben da kein Ermessen?" A: "Nein, Ermessen hab ich keines, ich hab Parteienverkehr."

Für Michaela R. stellt sich nun folgendes Problem: Nähert sie sich einem Bildautomaten, denkt sie unweigerlich an die "Zahnderl". Denkt sie an die "Zahnderl", muss sie unweigerlich lachen. Kurzum: Sie ist einfach noch nicht seriös genug für Foto und Führerschein. (DER STANDARD; Printausgabe, 20.3.2006)

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    foto: photodisc
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